Countdown zum Jahresende: 29

So lala geschlafen, zu früh wach gewesen, nicht mehr eingeschlafen, dann halt aufgestanden. Heute schon Therapietag, obwohl doch erst morgen Freitag ist. Einen Tag vorgezogen. Mein innerer Autist Anteil im Spektrum wippt hospitalistisch.

Zum Mittag heute: gebratener Panhas. Kennt wahrscheinlich niemand außerhalb Westfalens und wenn ich euch die fünf Hauptbestandteile des Panhas mitteile, werden wahrscheinlich viele von euch kopfschüttelnd den Browser schließen. Aber egal. Panhas besteht laut Wikipedia aus Speck, Schwarten, Schweinemasken (Haut, Schwarten und Fleisch von ausgebeinten Schweineköpfen), Blut und Buchweizenmehl. Also eigentlich voll hipstermäßig nose to tail, wie es bei denen immer so schön heißt. Aber Hipster und Panhas, das passt nicht zusammen. Bauer Ewald aus Haltern-Lavesum und Panhas – das passt. Machen wir uns aber nix vor: Gefäßverengungen und Cholesterin-Höchstwerte und Panhas passen auch super zusammen. Deswegen esse ich ihn auch nur so ein, zwei Mal im Jahr. Ist so ein absolutes Winterding, ähnlich wie Grünkohl oder Rillettes (auch alles nicht gerade Schonkost). Aber war schon sehr, sehr lecker.

Die MPK heute war ja auch mal wieder eher so semi. Es läuft weiter wie bisher: Bloß nicht mal den Arsch in der Hose haben und Entscheidungen treffen, die nötig sind, auch wenn dann große Teile der Bevölkerung rumnölen. Ich frage mich immer wieder, was Politiker der Gegenwart eigentlich damals im Deutschen Herbst gemacht hätten? Schleyer austauschen, weil die eine Umfrage in der BILD neulich eine ganz deutliche Mehrheit fürs Verhandeln mit Mördern gezeigt hat? Bei der Hamburger Sturmflut sich erst noch einmal zehn Tage fürs Beobachten verordnen? Maßnahmen im Rahmen der Berlin-Blockade nach hinten schieben, weil in fünf Monaten ein Wahlkampf ansteht? Das ist mir alles etwas zu wenig, etwas zu vorsichtig, etwas zu sehr strategisch. Und ja, diesbezüglich führt die neue Ampel-Koalition den destruktiven Weg konsequent fort. Denn jetzt mal ganz ehrlich: Obwohl Karl Lauterbach der mit Abstand kompetenteste und fähigste Politiker für den Posten des Gesundheitsministers wäre, wird er es wahrscheinlich nicht werden. Wegen Proporz und so. Und da sage ich einfach: Wenn eine neue Regierung in der herausfordernsten Phase der vergangenen 70 Jahre direkt mit so einem Kack anfängt, dann brennt aber mein innerer Baum. Lichterloh brennt der!

Nachher gibt es den großen Zapfenstreich für Angela Merkel. Und obwohl es die Angela ist, werden auf Twitter bestimmt wieder ein paar Leute durchdrehen, weil Soldaten mit Fackeln … das kannste in diesem Land ja nicht mehr bringen. Was ich übrigens absolut schlimm finde. Wenn man alleine sieht, was die Soldaten im Rahmen der Pandemie oder während der Flutkatastrophe im Juli geleistet haben und welches Standing sie im Gegensatz dazu in der Bevölkerung haben. Schlimm. Ganz schlimm. Es gibt ja wirklich nicht viel, was ich an den USA mag, aber diese Floskel „Thank you for your service“, die man dort jedem Soldaten oder Feuerwehrmann beim Kennenlernen entgegenbringt, die finde ich richtig gut. Weil es Respekt und Wertschätzung zeigt. Wann habt ihr das letzte Mal zu einem Polizisten, einem Feuerwehrmann, einem Soldaten oder einer Rettungskraft gesagt, dass ihr dankbar seid, für all das, was sie leisten? Sollten wir häufiger machen! Dank an euch! Ohne euren Einsatz wären wir am Arsch.

Ich gehe jetzt dankbar aufs Sofa. Kommt alle gut durch die Nacht, bleibt behütet und träumt in Technicolor und Breitbild. Wir lesen uns morgen wieder.

Countdown zum Jahresende: 30

Halbzeit. Bergfest beim Jahresendcountdown. Seit 30 Tagen tippe ich hier meinen Shit in das Internet, freue mich jeden Abend aufs Neue, wenn ein Artikel fertiggestellt und hochgeladen ist, freue mich über jeden eurer Kommentare und freue mich, dass ich so lange durchgehalten hab.

Heute fällt es mir echt schwer, etwas zu schreiben. Habe den ganzen Tag seit heut Morgen Textarbeit gemacht, lektoriert, ergänzt, geschrieben. Irgendwann lässt dann die Konzentration nach, der Rücken tut weh (fragt bloß nicht, wo und wie ich in welchen Positionen so arbeite) und man ich fühle mich ausgepowert. Nicht unangenehm, aber auch nicht so geil, wie nach dem Boxen oder so. Hier raucht der Kopf halt immer noch, aber der Körper schaltet so langsam runter. Ich werde mich gleich mal auf meine heiß geliebte Akupressurmatte legen. Direkt vor den Kamin, Kopfhörer in die Ohren und eine halbe Stunde abschalten. Dann geht es wieder besser. Und dann noch einen Entspannungsrotwein und der Abend kann beginnen.

Halbzeiten finde ich ja immer etwas schwierig. Gott, was habe ich in den Monaten vor meinem 40. Geburtstag gelitten. Das war eine große Zäsur, weil gefühlt die Hälfte des Lebens rum war und ich mich ab da auf der Rückreise befand. Die Tage und Wochen, die man vor sich hat, die werden in der zweiten Halbzeit immer weniger, der Scheiß auf den man zurückblickt, der wird immer mehr.

Anderes Beispiel: Urlaube. Die erste Hälfte des Urlaubs fühlt sich immer megalang an. So viel, was noch vor einem liegt. Alles ist noch möglich. In der zweiten Hälfte denke ich hingegen immer ganz oft so Sachen wie „Nächste Woche um diese Zeit bist du schon wieder zu Hause“. Bei Büchern geht es mir ähnlich. Bis zur Mitte lese ich sehr schnell und fresse alles in mich rein, danach breche ich ganz häufig ab. So als wolle ich nicht das Ende erreichen. Oder als wäre es mir zu langweilig geworden. Oder. Oder. Oder.

Ich bin kein Typ für die zweite Halbzeit, soviel ist mal klar. Insofern kann ich auch mit dem Konzept des Alterns mal so gar nichts anfangen. Immer häufiger tut mal etwas weh, du hast hier Rücken und da Blutdruck und auf Cholesterin soll man achten. Und das schlimmste ist ja: Du weißt, dass viele dieser Sachen nicht mehr besser werden. Früher wurde man krank, man ging zum Arzt, kurierte sich aus und irgendwann war man halt wieder gesund. Jetzt ist da viel häufiger der Gedanke: „und das geht jetzt nie wieder weg, das bleibt so. Wenn du Glück hast, wird es nicht schlimmer, aber besser wird es auf keinen Fall mehr. Ich darf gar nicht daran denken, wenn ich in zwei Jahren 50 werde. Das wird nicht schön werden, gar nicht schön.

Ach egal. Mehr gibt es von mir heute nicht, ich bin fix und fertig. Nur noch ein kurzer Gedanke, der mir heute Morgen durch den Kopf ging. Bei der Flut an Talkrunden momentan zum Thema Corona, Ampel und Instrumentenkoffer, sind es glaube ich nur noch 26 mal Lanz, Plasberg, Will und Maischberger, dann ist Weihnachten.

Kommt gut durch die Nacht und träumt ergebnisoffen. Wir lesen uns morgen.