Viel im Außen, viel im Innen

Ich habe wieder viel zu lange nicht gebloggt und ich kann diese Platte selbst schon nicht mehr hören. Immer die gleichen entschuldigenden Worte von mir, die ich mir selbst kaum glauben kann. Aber es stimmt wirklich – in den vergangenen Monaten ist wirklich viel passiert.

In diesem Jahr stand ja die Umgestaltung unseres Gartens an. Als wir vor sechs Jahren hier einzogen, bestand er aus einer Rasenfläche, die auch noch ein ordentliches Gefälle vorwies. Ansonsten: ein Flieder, das wars. Gute 200 m² Rasen, nichts sonst. Ein paar Jahre lang bearbeiteten wir zwar die Ränder – hier ein Hochbeet aus Bruchsteinen, dort ein XXL-Kräuterbeet – und wir versuchten verschiedene Sachen, aber so richtig glücklich waren wir damit nicht. Es musste doch die große Lösung sein, die wir aus vielen nachvollziehbaren Gründen, vor uns hergeschoben hatten. Große Lösung bedeutet: Eine Fläche von rund 35m² mit dem Bagger auskoffern und eine ebene Fläche herstellen, die Ränder mit 3,5 t Bruchsteinen begrenzen, mehr als 100 lfm Douglasie für Beeteinfassungen verarbeiten, etwa 4 t Splitt als Untergrund verteilen, einen 500 l-Teich verbuddeln, einen Rosenbogen setzen und dann natürlich noch alles schön bepflanzen, befüllen und mehr als 2.000 l Pflanzerde ausbringen. Ich hatte also zu tun. Und so richtig los ging es damit nach unserem Urlaub Ende Juli. Okay, die Steine waren schon im März da, ausgebaggert wurde im April, aber dann passierte sehr lange nichts. Das Wetter, die Arbeit, der Urlaub. Ich hatte in den vergangenen sechs Wochen also durchaus gute Gründe nicht zu bloggen.

Jetzt sind aber die meisten Arbeiten getan und ich bin ausnahmsweise mal sehr zufrieden mit meinen Ergebnissen. Das sieht alles sehr schön aus. Und die Ecken, die nicht so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe, betrachte ich großzügig und gutmütig. Das passt schon alles.

Hier mal eine kleine Fotostrecke.

Ein anderer Grund, warum ich wieder einmal nicht so bloggte wie ich gern wollte, liegt in meiner aktuellen Therapie. Ende des vergangenen Jahres begann ich ja erneut eine Psychotherapie, nachdem meine 2016 begonnene Verhaltenstherapie (VT) mir nicht so sehr geholfen hatte, wie ich es mir gewünscht hätte. Nach langer Suche, vielen Telefonaten und einigen skurilen Erlebnissen – insgesamt dauerte es ein dreiviertel Jahr – landete ich dann bei einer wirklich tollen, verständnisvollen und kompetenten Therapeutin. Ich begann eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP), die wir jetzt, vor zwei Monaten, in eine analytische Therapie (AP) „umgewandelt“ haben.

Die analytische Therapie ist schon anders als eine Verhaltenstherapie oder die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Platt gesagt – und sicherlich sehr vereinfacht – befasst sich die VT mit den Problemen im Hier und Jetzt und versucht die Auswirkungen und Folgen dieser Probleme zu beheben. Dabei wird liegt der Fokus aber eindeutig auf der ganz praktischen Bearbeitung des individuellen Symptoms. Du hast da eine Wunde und mithilfe der VT wird diese Wunde meist schon ganz gut versorgt, sodass sie im besten Fall nach 20 bis maximal 60 Stunden ganz gut abgeheilt ist und du mit dem verbliebenen Wundschorf, den Narben und dem gelegentlichen Zwicken ganz gut durchs Leben kommst. Aber die angeschlagene Psyche neigt dazu, neue Wege zu finden, um dir zu zeigen, dass irgendwelche Sachen eben doch noch nicht gut sind. Das kann dazu führen, dass du zwar prima deine Fahrstuhlangst in der VT bearbeitest, du aber im Laufe der Zeit stattdessen eine Angst vorm U-Bahn-Fahren entwickelst. Oder eine vor Hunden. Oder so.

TP und AP hingegen zäumen den toten Gaul, auf dem du reitest von der anderen Seite auf und schauen, wo denn diese Wunde überhaupt herkommt. Das hat den Vorteil, dass du dein Problem an der Wurzel anpackst und du irgendwann nicht nur die Wunden los bist, sondern auch den Grund für diese Wunden bearbeitet hast. Da dies in der Regel sehr viel länger dauert, übernimmt die Krankenkasse bei der AP zum Beispiel 160 bis 300 Stunden. Du gehst zwei, drei Mal in der Woche zur Therapie und beschäftigst dich wirklich ausgiebig mit deiner Biografie, tauchst ein in deine Kindheit, deine Jugend und bleibst immer wieder genau an den Punkten hängen, an denen es eben nicht rund lief. Das ist nicht nur zeitlich anspruchsvoll, das ist auch sehr deep und aufwühlend. Und bestimmt nicht jedermanns Ding.

Da wird das mit dem Bloggen manchmal nebensächlich, denn entweder werkle ich im Garten oder in meinem Kopf. Yin und Yang sozusagen.

Um es aber nochmal ganz klar zu sagen: Diese zwei paar Absätze hier gerade waren wirklich sehr vereinfacht und natürlich gibt es auch wundervolle Verhaltenstherapeut*innen, die mit tiefenpsychologischen Werkzeugen arbeiten und Analytiker, die mit verhaltenstherapeutischen Tools den Problemen auf den Grund gehen. Ich denke, dass wir Menschen so unterschiedlich und individuell sind, dass es nie sagen kann, welches Verfahren letztendlich „besser“ oder wirksamer ist. Für mich scheint die AP ein wirklich guter Weg zu sein, weil ich schon immer jemand war, der nach dem „Warum“ gefragt hat.

Falls euch solches Hintergrundwissen interessiert, könnt ihr gerne einen Kommentar hinterlassen, dann schreibe ich vielleicht auch noch einmal etwas ausführlicher über psychotherapeutische Verfahren (und warum viele Klischees zur AP – also zur Psychoanalyse – einfach nicht stimmen). Mittelfristig schruppe ich hier gerade sowieso an etwas rum, in dem es um Dysthymie, Depressionen und mein Leben geht. Aber das ist Zukunftsmusik.

Und nach so viel Hintergrundinformationen jetzt noch ein kleines Schmankerl am Schluss: Im kommenden Jahr werden Ursula und ich wieder mit unseren ZweiSichten unterwegs sein und euch ein wenig vorlesen. Im Februar geht es nach Düsseldorf, im Mai sind wir in Taunusstein-Hahn. Nähere Infos dazu findet ihr alsbald unter Termine. Ich gehe jetzt erst einmal eine Runde vor den Boxsack in die Garage… den habe ich mir endlich gegönnt – und es ist herrlich.

Ein guter Sommer

IMG_20210715_183904In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich mich in der Online-Welt etwas zurück gehalten. Ich postete wenig bei Facebook und Twitter und bloggte auch nicht. Einerseits ist es nach wie vor eine gewisse Social Media-Müdigkeit bei mir, anderseits hatte ich viel zu tun. Richtig viel zu tun. Ich durfte zwei tollen Typen bei ihrem Buch ein wenig unter die Arme greifen. Das war ein famoser Ritt und ich hoffe, das Ding wird in die Bestsellerlisten klettern. Verdient hätten es die Jungs und ihre Gedanken auf jeden Fall. Ende September wird das gute Stück im Handel sein.

Dann waren die beste Frau und ich ein paar Wochen auf Ameland. Wind, Sonne, Wolken. Ich saß seit Jahren erstmals wieder auf einem Fahrrad, das war echt schön. Dazu ein wirklich tolles Mobile Home und menschenleere Strände. Weniger Kontakt zu anderen Menschen geht kaum. Nach knapp zwei Jahren ohne Urlaub, dafür mit all der Corona-Scheiße und diversen psychischen Hängerchen taten diese drei Wochen der Seele wirklich gut.

Die Arbeiten an unsere Gartenneugestaltung, mit der wir im Frühjahr begonnen haben, wurde dann nach Ameland auch endlich wieder aufgenommen. Es war klar, dass das alles lange dauern würde. Immerhin haben wir uns wirklich Großes vorgenommen (mehr als 10 Kubikmeter Mutterboden wurden abgetragen, 3,5 Tonnen Bruchsteine geliefert, jetzt stehen da 4 Tonnen Split und in der kommenden Woche werden mehr als 100 lfm Douglasie für Beeteinfassungen geliefert). Aber dann war das Wetter schlecht, was dazu führte, dass auch meine Stimmung schlecht war. Jetzt läuft die Baustelle aber wieder.

Und als absolutes Bonus-Bonbon waren wir noch ein paar Tage bei unseren Freund*innen im Kloster Arenberg, die wir auch seit fast zwei Jahren nicht mehr drücken konnten. Das war wunderschön und wie arg doll ich diese lieben Menschen vermisst habe, fiel mir erst auf, als ich sie alle nacheinander drücken konnte. Oh Mann, das war wirklich sehr bewegend.

Jetzt ist der Sommer eigentlich vorbei, weil nun wieder das schnöde Alltagsleben beginnt. Die Arbeit auf dem Schreibtisch stapelt sich, das nächste große Buchprojekt steht an und dann vielleicht auch noch eines (mal wieder mit meinem eigenen Namen vorne druff) und dann vielleicht noch eines. Ich bleibe am Ball. Das ist die Hauptsache.
Das war mal ein kurzer Zwischenbericht. Bald kommt auch noch ein weiterer Artikel über Psychotherapie, Therapeutensuche, Verfahrenswechsel, das komplett kaputte System, in dem Betroffene allein gelassen werden und ein paar begeisterte Sätze über die analytische Psychotherapie.

Aber wenn ich „bald“ schreibe … warten wir mal ab.

Habt einen schönen Restsommer, bleibt gesund, bleibt vernünftig und bleibt wach.