So viel Angst

Am vergangenen Dienstag postete ich hier im Blog einen kleinen Aufruf. Aus Langeweile, weil mir ein paar Aufträge weggebrochen waren, wollte ich euren Ängsten ein paar Worte schreiben. Damit sie vielleicht etwas kleiner werden können. Und eines ist sicher. zurzeit haben Ängst Hochkonjunktur. Schließlich steht die ganze Welt gerade Kopf. Alles ist fremd und in den Nachrichten beherrscht das Thema Corona wirklich alles. Klar, dass man sich da fragt, wie es denn so alles weitergeht.

Was dann passierte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Zahlreiche Menschen teilten ihre zum Teil beklemmenden, großen, belastenden und existenziellen Ängste mit mir und baten um einen Brief, damit sie kleiner werden konnten. Was spannend war: Viele von euch schrieben sehr ausführlich über ihr Problem und merkten teilweise auch an, dass allein schon das Beschreiben dieser Angst, etwas verändert hatte. Für dieses große Vertrauen bin ich unendlich dankbar.

Spannend ebenfalls: Kein einziger Mann meldete sich auf diesen Aufruf. Kerle verarbeiten ihre Ängste wohl eher still und innerlich und allein und auf keinen Fall mit anderen.

Nun, als kurze Zwischenmeldung: Ich habe soeben die letzte Texte fertig gemacht und alle Anfragen abgearbeitet. Jede der ängstlichen Zusenderinnen hat nun einen individuellen Text gegen ihre Angst. Ob ich immer den richtig Ton getroffen habe, weiß ich natürlich nicht – aber die Rückmeldungen, die ich bisher bekam, waren sehr rührend und zauberhaft und ich bin froh, dass ich diesen Aufruf gestartet habe.

Und die Aktion läuft weiter, wer also noch Texte gegen die Angst benötigt, kann sich gern  unter der E-Mail-Adresse sprachrhythmus@outlook.com  melden und bekommt dann ebenfalls einen kleinen Brief gegen seine Angst.

Und ihr könnt natürlich auch anderen von dieser kleinen Aktion erzählen. Es gibt gerade so viel Angst da draußen, vielleicht hilft es dem einen oder anderen, etwas besser durch diese schweren Zeiten zu kommen.

Bleibt alle gesund. Passt auf euch auf.

Eure Ängste, meine Ängste und was man tun kann

Die aktuelle Situation überfordert wahrscheinlich jeden von uns. Ich habe Angst, ihr habt Angst und jede dieser Ängste sieht wahrscheinlich ein wenig anders aus. Da ich gerade ziemlich viel Zeit habe, wollte ich ein wenig für euch schreiben. Singen kann ich nämlich nicht und als Spargelstecher eigne ich mich auch nicht. Aber ich will trotzdem ein wenig Hilfe mit euch teilen.

Ich glaube ja fest daran, dass unsere Ängste kleiner werden, wenn wir sie erst einmal SEIN lassen, wenn wir sie neutral wahrnehmen und wenn wir mit ihnen kommunizieren. Ich habe ziemlich gute Erfahrungen damit gemacht, den Ängsten Briefe zu schreiben. Und weil ich das nun mal kann – schreiben – und weil ich denke, dass es vielleicht einigen von euch helfen könnte, habe ich mir folgendes überlegt.

Schreibt mir eine kurze Mail, wovor ihr euch fürchtet. Spinnen? Zahnarzt? Corona? Tod? Einsamkeit? Armut? Ihr müsst dabei wirklich nicht ins Detail gehen, wenn ihr nicht möchtet. Ich schreibe dann dem Gegenstand eurer Angst einen Text, der sich gewaschen hat. Vielleicht humorvoll, vielleicht pathetisch, vielleicht ernst, sachlich oder liebevoll – keine Ahnung. Ihr könnt ihn euch ausdrucken, an die Kühlschranktür pinnen, verbrennen oder ins Portemonnaie packen. Und mit etwas Glück wird euere Angst mit dem Lesen etwas kleiner. Das würde ich mir wünschen.

Ich habe keine Ahnung, ob sich irgendwer für dieses Angebot interessiert. Aber warum nicht einfach mal ausprobieren? Die Welt ist schließlich für uns alle gerade ganz neu, ganz fremd, ganz klein, feindlich, träge und still.

Wer also mag, möge mir unter sprachrhythmus@outlook.com eine kleine Mail mit „seiner“ Angst schicken und ich werde versuchen, diese Angst wegzuschreiben. Weil da draußen gerade viel zu viel Angst ist. Wem sein Text dann gefällt, kann sich gern melden und kann freiwillig eine Kleinigkeit per paypal spenden – aber das soll weder Verpflichtung noch Hindernis sein. Ich mache es in erster Linie, weil ich es möchte. Und weil ich glaube, dass man gerade gegen die Welt anschreiben muss.