Warum Twitterlesungen überflüssig sind…

Seit einiger Zeit gibt es das Phänomen der Twitterlesungen. Anfangs habe ich nur den Begriff aufgeschnappt und stellte mir darunter eine Lesung der – vermeintlichen – „Stars“ der Twitterszene vor. Mit tollen Texten und so. Kreative sind ja dort genug unterwegs.

Dann sah ich dieses Video und war ziemlich enttäuscht.

Twitter ist toll. Twitter ist Spontanität, Twitter ist Aktion, ist ein Agieren. Twitter lebt vom Hier und Jetzt. Wo immer dieses Hier und Jetzt auch sein mag. Twitter ist Gegenwärtigkeit.

Dieses Zitieren von tollen Tweets, die in dieser Gegenwärtigkeit entstanden, hat mich dann schwer enttäuscht.

Es hatte sowas von Abijahrgangsbuch, in dem die besten Schüler- und Lehrersprüche festgehalten wurden. Und wenn wir mal ehrlich sind verloren die meisten Sprüche durch dieses Festhalten enorm an Charme und Witz.

Solche Twitterlesungen haben etwas von 80er-Jahre-Partys, von Coverversionen gecoverter Popsongs. Solche Twitterlesungen sind ein Aufwärmen von Kreativität, die ihre Gegenwärtigkeit verloren hat. Ein Fußballspiel ist ein Fußballspiel und keine dreiminütige Zusammenfassung der „besten Szenen“ kann das Gefühl vermitteln direkt im Stadion dabei gewesen zu sein. Solche Twitterlesungen werden Twitter einfach nicht gerecht.

Was ich aber ungeheuer charmant fände und richtig spannend:

Setzt einen Sascha Lobo und einen Sixtus, einen Genueser, eine Frauenfuss und Textzicke und all die anderen jetzt nicht mehr namentlich erwähnten tollen und kreativen Leute auf eine Bühne, gebt ihnen ein Laptop und lasst sie twittern. Live, in Echtzeit, zeitgleich und gegenwärtig. Übertragt es auf Videoleinwände: ihre Tweets, ihre Gesichter, ihr Agieren und Reagieren. Seid live dabei, wenn was passiert. Und lasst euch überraschen von dem, was da passiert. Schmeißt ihnen ein Thema zu, einen Ball und staunt, was sie mit diesem Ball machen, ob daraus ein Eishockeypuck wird oder ein Flugzeug oder ein Pesto Rosso. Denn das ist Twitter. Die Kreativität, die sich aus all den tollen Leuten entwickelt, die irgendwo vor einem Bildschirm sitzen und die sich Bälle zuwerfen.

Zitierte, aufgewärmte Tweets sind nichts als Bälle denen schon viel zu viel Luft verloren gegangen ist.

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