Phrasen, die man nicht braucht

Es gibt Gesprächspartner oder Unterhaltungen, die mich meist von einer Sekunde auf die nächste komplett sprachlos zurücklassen. Gerade, wenn man neuen Menschen begegnet und ein wenig Smalltalking betreibt, kommt man ja recht schnell auf die Themen Beruf, etc.

Hier mal ein wirklich typischer Dialog:

FragendeR: Und was machst du so?

Ichso: Ich schreibe …

FragendeR: ????????

Ichso: Also, ich bin sowas, wie ein Schriftsteller …

FragendeR: Und was schreibst du so?

Ichso: ?????????????????

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber irgendwie kann ich diese Frage meist nicht beantworten. Früher waren es ausschließlich kurze Texte, für die diversen großen und kleinen Wettbewerbe. Was sagt man da?

Junge Literatur?

Moderne Literatur?

Als wenn man immer alles so einfach kategorisieren könnte. Als wäre es dem Autor mir immer ganz klar, was ich da mache. Ich schreibe halt einfach. Punkt. Literarische Texte. Komma. Kurz. Inzwischen kann ich mit solchen Situationen etwas besser umgehen, nicht zuletzt, weil der Roman, an dem ich momentan arbeite, einen Mord beinhaltet. Oder zumindest eine Leiche. Ich kann mir und meinem Gegenüber in solchen Unterhaltungen also die Schublade „Thriller // Krimi“ anbieten, was die Situation meist kurzfristig entspannt.

Kurzfristig deshalb, weil sich nun das Gespräch – immer – in zwei unterschiedliche Richtungen entwickeln kann, die beide nicht wirklich Spaß machen.

Denn entweder kommt nun die Frage, die jeder Nachwuchsautor fürchtet. Die Frage, die alles vorhergesagte wieder revidiert …

Gesprächsverlauf A:

FragendeR: Und? Was kann man von dir so kaufen?

Ichso: Also, es gibt da ne ganze Reihe von Anthologien, mit einzelnen Texten von mir …

FragendeR: ??????????

Ichso (stammelnd): Also, aber jetzt son ganzes Buch nur von mir … ist nicht draußen.

FragendeR (nach kurzem Schweigen): Joa, ich muss dann auch mal weiter …

Solche Dialoge setzen immer voraus, dass man veröffentlicht hat und gekauft werden kann (wie auch immer, egal ob DKZ-Verlag, BoD, Copy-Shop. Hauptsache: gedruckt). Es ist ein Kreuz!

Gesprächsverlauf B (noch schlimmer):

FragendeR: Ahh du schreibst.

Ichso: Joa …

FragendeR: Das ist ja witzig, ich schreib nämlich auch.

Ichso (nach kurzem Schweigen): Du, ich muss dann mal weiter.

Man mag es ignorant nennen oder arrogant oder was auch immer, aber ich kann diese Ichschreibjaauch-Menschen nicht ertragen. Ich fühle mich dabei so ein klein wenig, als wenn ich Frauentausch, Das Dschungelcamp oder andere Trash-TV-Sendungen sehe. Es fühlt sich für mich immer nach Fremdschämen an. Vielleicht liegt es nur daran, dass die Menschen, denen ich bisher begegnete und die auchschrieben meist vor allen Dingen auchunglaublichschlechtschrieben. Wirklich tolle Autoren sagen nie ichschreibjaauch. Tolle Autoren müssen das auch gar nicht.

Aber in der Schule lernt man halt mit den 26 Buchstaben des Alphabets umzugehen und dann kann man natürlich auch schreiben.

Und jetzt noch mal ein paar Infos für potenzielle Fragende:

Ich schreibe

Literarische Texte

Momentan arbeite ich an einem Roman. Wird ein Thriller.

Veröffentlicht wurde meine Texte in einer ganzen Reihe von Anthologien und Zeitschriften.

Ein paar Preise und Stipendien habe ich auch eingeheimst.

Sogar im Ausland las ich schon.

Und ich wünsche jedem der auchschreibt ganz viel Erfolg.

Wirklich!

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