Horror Cinema

 

Nachdem ich heute den ganzen Tag unterwegs war, von Termin zu Termin gehetzt bin und sogar eine Party sausen lassen musste (sorry Ingmar! Wir holen das mal nach!!) habe ich es kurz vor Ladenschluss noch in die Großbuchhandlung vor Ort geschafft um einen Gutschein einzulösen. Nach kurzer Suche fand ich den wundervollen Bildband Horror Cinema aus dem Taschen Verlag und bin komplett begeistert.

Ich bin ja großer Fan von Horrorfilmen: Horrorfilme sind wahnsinnig aufregend. Horrorfilme sind spannend. Horrorfilme sprechen Urängste an. Und sie werden leider, leider immer total unterschätzt. Schmuddelecke, primitiv, was für Idioten, die schon ganz schön schwer gestört sein müssen, um so was gut zu finden. Das sind so die gängigen Vorurteile, wenn man auf einer Party zwischen Bankern, Lehrern und Menschen, die allesamt einen Bausparvertrag besitzen, erwähnt, dass man The Night of the living dead (1968, in s/w), Nekromantik (1987) oder Hellraiser (ebenfalls 1987) für Meisterwerke hält.

Ja, das tue ich! Und hey, ich habe sogar studiert! Vielleicht liegt es aber auch genau daran. Ich sehe in solchen Filmen einfach viel, viel mehr. Unter all den zerborstenen Körpern, unter dem Blut und hinter dem Terror, liegt ganz viel Wahrheit über das Menschsein. Es geht um Angst, es geht um Kontrollverlust, es geht um etwas hinter der Normalität. Unser ganzes Leben ist geregelt, unser ganzes Leben ist geordnet. Und sicher. Vielleicht mag ich deshalb auf dem Bildschirm das Grauen sehen. Um es zu verstehen. Um mich damit auseinanderzusetzen.
Ich habe keine Kriege erlebt, wie meine Eltern und Großeltern.
Ich habe keine elementar bedrohlichen Situationen erlebt.
Aber ich glaube in uns Menschen ist etwas, dass will sich mit dem Tod und dem Grauen, der Deformation und dem Unnatürlichem beschäftigen.

Ja, ich will das alles sehen.
Ich will mich mit dem Tod auseinandersetzen.
Ich will deformierte Körper und scheinbar unsterbliche Serialkiller, die immer hinter dem Protagonisten stehen.
Ich will Zombies, Massen von Zombies, die eine geordnete Welt zerstören.
Ich will Vampire und bitte nicht diese weichgespülten Mädchenvampire aus Twilight, Buffy und Interview mit einem Vampir.
Ich will die dreckigen, die aus 30 days of Night und Nosferatu.
Ich will kleine fiese japanische Kinder und deren Mütter mit gebrochenen Gliedmaßen.

Ich will Angst fühlen.

Ich will Mitleid empfinden mit dem Pärchen, das mit einer verwesenden Leiche schläft. Deren Verbindung von Sex und Tod ist paradigmatisch.

Ich will die Torture-Sado-Exzesse wie SAW oder Hostel. Vielleicht um Abu Ghuraib, Waterboarding oder Guantanamo besser verarbeiten zu können. Verstehen kann man das nicht.

Und wenn wir mal ehrlich sind, ich denke, dass die echte Welt da draußen, viel, viel bestialischer ist, als der Horror auf der Leinwand.

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