orbisclaudiae vs mirkuss

Die von mir sehr geschätzte orbisclaudiae hat neulich einen schönen Blogeintrag verfasst. Es ging um das Schreiben, es ging um das Älterwerden. Es ging, um diese fixe Idee einen Roman zu schreiben.

Ich las ihren Beitrag und dachte touché!
Jetzt bin ich zwar ein paar Jahre älter als die gute orbisclaudiae, aber // oder // vielleicht umso mehr, kann ich dieses Gefühl der Torsch(l)usspanik nachvollziehen.
Ein Roman ist eine Distanz, die einem Angst machen kann, die einen lähmen kann. Man hat die Geschichte ja irgendwie im Kopf, man muss sie nur aufschreiben.
Aber dann ist da der Job und dann ist da der Haushalt und der Garten ist dann da und alles ist immer wirklich wichtiger als diese Geschichte im Kopf. Sind ja so viele Seiten, so viele Worte. Und abends gibt es Tatort und Bauer sucht Frau und DSDS und USFO.

Prokrastination ist abends da!

Ich habe auch kein Rezept, kann orbisclaudiae aber vielleicht insofern beruhigen, als dass ich der Meinung bin, dass man lernen muss, diese Distanzen zu überwinden. Man lernt länger zu schreiben. Meine ersten Wettbewerbsbeiträge waren vielleicht, zwei, drei Seiten lang. Mehr konnte ich nicht.
Irgendwann waren es dann zehn oder zwölf Seiten, also die berühmte Viertelstunde Lesezeit, die einem bei so manchem Wettlesen zur Verfügung steht. Neulich sprach ich noch mit einem Kenner des Literaturbetriebs und wir waren uns irgendwie einig, dass sich gerade bei den jungen Autoren eine Szene von hochbegabten Autoren entwickelt. Eine Szene, die unglaublich gut schreibt, die auf den einschlägigen Veranstaltungen liest (also der Open Mike in Berlin, der Klagenfurter Literaturkurs, das LCB, die diversen Veranstaltungen der Literaturinstitute in Leipzig und Hildesheim) und sich von Stipendium zu Stipendium hangelt. Immer mit kurzen Texten, auf den Punkt geschrieben, ausreichend für eine Viertelstunde, für eine halbe Stunde. Szenen aus Geschichten. Skizzen von Geschichten. Texte, die einfach so im Raum stehen.

Und ich will das überhaupt nicht werten. Schließlich habe ich ebenso in dieser Veranstaltungsmaschine gelesen. Und komme mit meinem längeren Romanprojekt auch nicht wirklich weiter. Es ist ein Dilemma. Warum ist es für mich (und scheinbar für so manch anderen auch) einfach (oder zumindest erreichbar) einen guten bis sehr guten Viertelstundentext zu schreiben? Und warum ist es so schwer, dieses hohe Level an Qualität über eine Romandistanz zu halten.

Ist unsere Aufmerksamkeitsspanne einfach zu kurz geworden. Haben uns die 140 Zeichen bei Twitter müde gemacht für ausschweifende literarische Ergüsse?

Ich weiß es nicht. Aber ich bleibe dabei, dass ich es irgendwie schaffen werde, diesen verd/$%&ten Roman zu schreiben. Und orbisclaudiae bekommt dann ein Belegexemplar!

Oder hast du vielleicht sogar Lust auf ein Battle? Wer von uns beiden zuerst ein vorzeigbares Manuskript fertig hat?

Aber jetzt muss ich erstmal Kochen und das Katzenklo und dann noch Einkaufen und heute Abend ist ja DSDS.

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Ein Gedanke zu “orbisclaudiae vs mirkuss

  1. Ach Mirko. Du hast so recht und du hast auch ein bisschen unrecht.

    Die 140 Zeichen bei Twitter haben uns nicht müde gemacht. Wir machen sie, sie nicht uns. Ich betrachte Twitter als Quelle der Inspiration und als Ventil für marodierenden Wortwitz, der sonst als zu killender Darling meine Texte verstopft.

    Wo beginnt Prokrastination und wo hört Leben/Alltag/Dasein/Weltaufsaugen auf?

    Kurzgeschichten und Erzählungen sind großartig, wenn sie großartig sind. Angeblich fängt es hierzulande an, dass man Texte jenseits der Schwartenlänge zu akzeptieren beginnt. Wunderbar, machen wir doch einfach mit.

    Der Roman wird geschrieben oder nicht. Ich denke er wird. Weil er da ist. Ohne ein Ziel im Leben ist es kein Leben. Und für Dickschädel und Träumer wie uns muss es ein großes sein. Die Sache mit der Fähigkeit zu diszipliniertem Arbeiten, der Selbstkasteiung, der totalen Hingabe an das Projekt, das braucht es wohl auch für die Langstrecke. Quäl dich du Sau. Es funktioniert nur, wenn das Nichtschreiben stärker quält.

    Frohes Quälen und liebreizende Grüße,
    Ute

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