Literarisch in die Blogparade bei m4gic

Dieses Blog sollte sich thematisch ja hauptsächlich mit der Schreiberei auseinandersetzen. Mmmhhh, dies tut es nur bedingt, weil immer wieder Gedanken in meinem Kopf sind, die ich, obwohl sie eben nichts mit der Schreiberei zu tun haben, trotzdem mit Euch teilen möchte. Das können schreckliche Zahnarztgeschichten sein, oder Gedankenspiele zur re:publica oder ein paar Worte über meine Liebe zum Horrofilm.

Jetzt habe ich neulich den Aufruf zu einer Blogparade bei m4gic.net gefunden und habe zwei, drei Tage lang gegrübelt, ob ich meinen Sprachrhythmus-Blog dazu missbrauchen kann, an dieser Blogparade teilzunehmen. Immerhin geht es um einen iPod Nano G6 und man muss entsprechende Fragen zu diesem Produkt beantworten. Fragen, die sich nicht wirklich auf Literatur beziehen …

Dann hatte ich aber die Idee, aus den Fragen der Blogparade eine Fingerübung zu machen und werde deshalb versuchen, sie literarisch wertvoll-originell-kreativ zu beantworten.

Sie lauteten:

Welche Geräte habt ihr vor eurem ersten MP3-Player zum Abspielen von Musik genutzt?

Wann hast du dir deinen ersten MP3-Player gekauft (wenn du bereits einen besitzt)?

Welcher MP3-Player war dein erster MP3-Player?

Wie viele MP3-Player hast du bereits besessen?

Welche Eigenschaften sind dir bei einem MP3-Player wichtig?

Welches Feature des neuen iPod Nano findest du am Besten?

Und vielleicht macht es dem m4gic ja auch ein wenig Freude, wenn sie ungewöhnlich beantwortet werden.

Los geht’s:

Welche Geräte habt ihr vor eurem ersten MP3-Player zum Abspielen von Musik genutzt?

Ich bin vielleicht elf oder zwölf und mitten in den 80ern, als ich mich zum ersten Mal mithilfe der Kopfhörer vor der Welt verstecke. Der Sound direkt am Ohr, der Sound im Ohr. Der Sound von Iron Maiden legt sich zwischen mir und der Welt als ich elf oder zwölf bin. Digital ist noch wenig zu dieser Zeit. Der Klang der BASF Chromdioxid II Kassette ist schlecht und wird mit jedem Anhören schlechter. Das braune Metallband hinterlässt mit jedem Durchlauf ein paar Frequenzen auf dem Tonkopf. Ich reinige ihn mit Alkohol und einem Wattestäbchen. Das Gerät, mit dem ich mich vor der Welt verstecke, ist kein Walkman. Es ist ein Kassettenabspielgerät. Ein Walkman ist von Sony. Mein Gerät ist No-Name. Es ist blau. Drei Tasten reichen: Stop // Play // Fast foward. Einen Rücklauf gibt es nicht. Einen Rücklauf gibt es bei Sony Geräten. Er ist zu teuer für No-Name. Er ist zu teuer für mich.

Wann hast du dir deinen ersten MP3-Player gekauft (wenn du bereits einen besitzt)? Welcher MP3-Player war dein erster MP3-Player?

Ich bin vielleicht Mitte zwanzig und studiere. Das neue Jahrtausend hat noch nicht begonnen, aber Tocotronic sangen schon Digital ist besser. Die Zeit an der Uni verschwimmt. Der Weg zur Uni im Winter: erst Bus // dann S-Bahn // dann U-Bahn. Der Bus ist voller Schulkinder und zu laut. Die S-Bahn ist zu spät. Ich muss regelmäßig zwanzig Minuten warten. Ich zittere vor Kälte auf dem Beton des Bahnsteigs und verfluche die Uni und den Lateinkurs. Er beginnt bereits morgens um 8.00 Uhr. Die U-Bahn kommt alle fünf Minuten. Einen Sitzplatz zu finden ist utopisch. Es riecht nach Schweiß und Kälte. Der Kopfhörer des MP3-Player sperrt die Welt aus. Der Sound im Ohr: düster. Der MP3-Player hat 128 MB Speicherplatz und ein kleines blau beleuchtetes Display. Es zeigt: Fields of the Nephilim, The Cure mit Pornopraphy und immer wieder Joy Divisions Closer. Es ist ein No-Name Gerät. Apple macht zu dieser Zeit noch nicht in iPods. Apple gibt es zu dieser Zeit noch gar nicht in der breiten Öffentlichkeit.

Wie viele MP3-Player hast du bereits besessen?

Ich bin Mitte 30 und musikverrückt. Im Ohr immer ein Sound. Selbst ohne Kopfhörer ist da ein Sound. Ein Sound, der die Welt einladen kann, der die Welt aussperren kann, hinter dem ich mich verstecken kann, vor der Welt. Manchmal ein Sound, der mich aufreißt, bis ich zerfließe. Auf dem Smartphone: wundervoll schräge Stücke. Düsterbuntschwarzgrauweiß gemischt: immer dabei Tocotronic, immer dabei Current 93 und Death in June. Manchmal Funny van Dannen. Alte Soldatenlieder sind auf dem Smartphone und Lale Andersen. Mit Mitte 30 ist es nicht mehr der MP3-Player mit 128 MB Speicherplatz. Man ging mit der Zeit. Und er ging mit der Zeit. Die Geräte sind klein und neigen dazu verloren zu gehen. Ein Medion Gerät ging verloren (die Displaybeleuchtung konnte die Farben wechseln blau, orange, grün). Bestimmt drei bis vier weitere USB-Player. Jeweils mit größeren Speicherkapazitäten. Als würden sie mit mir wachsen.

Welche Eigenschaften sind dir bei einem MP3-Player wichtig?

Der MP3-Player ist Mittel zum Zweck. Er trägt den Sound. Die wichtigste Eigenschaft: Auf dem MP3-Player muss ein Stück von Tocotronic sein (und es muss nicht Digital ist besser sein). Da die Speicherkapazität immer größer wird und werden wird und irgendwann einen ganzen Ozean an Musik fassen wird oder ein Menschenleben, ist eine einfache Benutzung wichtig. Ich muss schnell finden was ich suche, denn ich bin Mitte 30 und das Leben ist zeitlich begrenzt. Ich will nicht ertrinken im Musikozean. Ich will die Inseln finden, auf denen ich mich vor der Welt verstecken kann. Ordnung ist das halbe Leben heißt es in einem Sprichwort. Ich hasse solche Sprichworte. Sie passen immer und sind Spielverderber.

Welches Feature des neuen iPod Nano findest du am Besten?

Ich besaß nie einen iPod Nano. Ich besaß immer nur No-Name-Nachbauten, aber auch die hatten bisher kein Display. Noch nicht einmal ein kleines, das in blau oder orange oder grün den Titel anzeigte. Ich will nicht nur hören, dass Tocotronic, Jungs hier kommt der Masterplan singen, ich will es auch in einem Display lesen. Die Farbe ist mir dabei egal. Dass jetzt dieser kleine Apfel-Quader ein Display besitzt, macht ihn zu etwas Nutzbarem für mich.

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