Das alles kommt mit

Jetzt bin ich schon wieder eine Woche aus dem Urlaub zurück und hatte ja angedroht, dass ich einen ausführlicheren Bericht zu meinem Aufenthalt im Kloster Arenberg verfassen würde.

Wie ich schon in meinen Kurzberichten hier, in meinen Tweets bei Twitter und meinen Facebook-Statusmeldungen angedeutet habe: Es war unglaublich toll.

Es ist Sonntagmorgen, als wir uns auf den Weg machen. Das Auto ist voll (wie viele Dinge braucht ein Ehepaar für 8 Tage in einem Kloster?). Mein Kopf ist voll. Voll mit Gedanken, mit Kram, den ich hinter mir lassen will, in der Hoffnung, dass er nach einer Woche ohne mich kleiner geworden ist. Mein Körper ist voll mit Anspannung. Ich fühle mich wie ein Tier. Gefangen im Hamsterrad. Immer gibt es Dinge, die zu erledigen sind. Immer bleibt etwas davon liegen. Setzt sich fest. Im Nacken, im Kopf, in jeder einzelnen Zelle. Dinge, die liegen bleiben, gießen die Nervenzellen in Beton.

Drei Tage später sitze ich mit der Ehefrau im Raucherpavillon, dem einzigen Ort auf dem ganzen Gelände, an dem man rauchen darf. Drei Tage später schaue ich auf Bäume und den Rasen. Ich höre in mich hinein. Ich höre bröckelnden Beton. Es knirscht. Im Innern. Ich hole Luft und atme. Ich schließe die Augen und sehe mich. Ich kann eine Stimme in mir hören. Sehr leise nur und zaghaft. Aber sie flüstert mir Gedanken zu. Sie legt Sätze in meinen Kopf. Sie erzählt mir von einer Geschichte.

Fünf Tage später sitze ich mit der Ehefrau im Raucherpavillon und höre von einer Dame, die auch dort Urlaub macht, dass meine Gesichtszüge sich verändert hätten. Ich lächele sie an. Aus Verlegenheit. Und ich lächele sie an, weil sie so traurig ist. Als sie abreist, schenke ich ihr ein Notizbuch für all ihre traurigen Gedanken.

Nach sieben Tagen sitze ich mit der Ehefrau im Raucherpavillon und wir wissen, dass wir nach dieser Zigarette abreisen werden. Und wir wissen auch schon, dass wir zurückkehren werden. Ostern.

Ich habe die Langsamkeit entdeckt und den Wert des Augenblicks. Ich habe gelesen und gedacht. Bin gegangen, bewusst und Schritt für Schritt. Habe die Sonne genossen und sowieso, wie immer, jede Minute mit der Ehefrau. Ich habe sauniert, wurde massiert und progressiv muskelentspannt, habe Espresso getrunken und jede Menge Kräutertee. Ich bin Menschen begegnet, die mir etwas mitgaben. Ich habe die Gelassenheit entdeckt.

Nach vierzehn Tagen sitze ich vor dem Rechner. Ich denke häufiger daran, den Fernseher nicht anzustellen. Ich trinke Kräutertee. Ich erinnere mich an das Gehen über die Klosterwiese und bemerke die Gelassenheit. Ich höre Texte in mir.

Geschichten.

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2 Gedanken zu “Das alles kommt mit

  1. Hervorragender Text. Er beschreibt in schönen, wie klaren Worten, wo und wie viele von uns im Leben stehen, warum wir an diesem wo und wie leiden und wohin wir uns von dort weg sehnen. Gerade der Schluß, dieses einmal erreichte Wohin dann in sich mit sich heim zu nehmen, ist schon die gute Tat eines Tages.

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