Das Ende von Ruhr.2010

2010 war das Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Ein endlos erscheinendes Laufband von Veranstaltungen, Projekten und Aktionen. Alles war Ruhr.2010. Alles war Kulturhauptstadt. Und vieles davon war belanglos.

Zwischen den großen Reden der Politiker und Funktionäre, die den „Meltingpoint Ruhrpott“ zelebrierten, die von „der Region“ sprachen und sich an dem Begriff „Strukturwandel“ abarbeiteten, roch es überall nach Provinz, nach Kleinstadt und lokalstem Lokalpatriotismus. Ein Oberhausener ist kein Recklinghäuser ist kein Dortmunder und sowieso kein Essener. Duisburg und Dortmund verbindet die A40.

Aber sonst?

Die Kulturhauptstadt ist immer noch meilenweit davon entfernt eine Metropole in Deutschland zu werden. Und das liegt, denke ich, auch daran, dass hier jeder Bürgermeister sein eigenes kleines Stadtsüppchen kocht. Hier ist eigentlich alles, was es braucht, um dem Rest der Welt zu zeigen wo es lang geht. Sogar schon zu viel von allem. Jede Stadt braucht ihr Konzerthaus, ihre Philharmonie, ihre riesige Shoppingmall und ihren Musicaldom. Nur: Besser wird das kulturelle Angebot nicht. Statt mit herausragenden Inhalten die Welt vom spannenden Ballungsraum Ruhrgebiet zu überzeugen, schafft man inhaltsleere Orte und Räume, die nicht selten mit Banalitäten gefüllt werden und nur durch Subventionen erhalten bleiben.

Ich werde zurückdenken an das Still-Leben auf der A40, ich werde zurückdenken an meinen zweiten Hochzeitstag, an dem 21 Menschen in Duisburg bei der Loveparade starben und ich werde mich an die Schachtzeichen erinnern.

Aber sonst?

Aktiv habe ich an zwei Veranstaltungen mitgewirkt. Eine Lesung in Recklinghausen im Rahmen der dortigen local heroes Woche. Die Veranstaltung war schlecht besucht und vielleicht typisch für die vielen kleinen Lesungen, Ausstellungen und Konzerte der Ruhr.2010.

Die andere Veranstaltung an der ich mitwirkte: Die Lesung im Rahmen der Ausstellungseröffnung des Bildbandes „In Dortmunder Parks“ im jetzt endgültig eröffneten Zentrum für Kreativwirtschaft, der ehemaligen Unionbrauerei. Auch dieser Veranstaltung hätte ich mehr Besucher gewünscht, aber es war WM und Deutschland spielte gegen Argentinien. Und ich hätte den Fotos eine Umgebung gewünscht, die nicht eine komplette Baustelle ist.

Aber sonst?

Ich weiß nicht, was nachwirken wird von dieser Kulturhauptstadt?

Hier im Ruhrgebiet kann man 60 Kilometer Autobahn sperren und Alltagskultur betreiben.

Aber sonst?

Hier im Ruhrgebiet kann man nostalgisch zurückblicken auf Zechen, Kohle und Stahl, Auf Bier und Fußball. Auf Brieftauben, Schrebergärten und Büdchen.

Aber sonst?

Hier im Ruhrgebiet kann man Großevents planen, die in einer Katastrophe enden. Hier kann man versuchen ganz oben mitzuspielen und das Scheitern schönzureden.

Aber sonst?

Weiß ich nicht.

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Ein Gedanke zu “Das Ende von Ruhr.2010

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