Ich hab da was gelesen

Einer meiner Vorsätze für dieses neue Jahr lautet übrigens: Mehr zum eigentlichen Thema dieses Blogs (nämlich Schreiben, Bücher, Lesen und so) zu schreiben. Und deswegen folgt jetzt eine kleine Rezension:

Vor einiger Zeit habe ich ein Buch gelesen, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Es heißt „Hab Sonne“ von Klaus Märkert. Erschienen ist es bei Paperone , einem kleinen Indie-Verlag.

Das Buch schildert das Leben eines Wave-DJs in den 80ern. Wenn man die Biografie des Autors Klaus Märkert betrachtet, kann man wohl sagen, dass der Roman autobiografische Züge trägt.

Und wenn ich mir so den Text auf dem Buchrücken durchlese … da steht es sogar.

Nun, warum hat mir dieses Buch so viel Spaß gemacht? Es war eine wundervolle Zeitreise für mich. Ein Großteil des Buches dreht sich um den Zwischenfall , einem kleinen Club in Bochum, den man zurecht als legendär bezeichnet. Im Zwischenfall ging ich etwa zehn Jahre lang ein und aus. Kreuzbehangen, die Haare hochtoupiert und egal was ich für ein Kleidungsstück trug: es war schwarz. Auch wenn ich erst Anfang der 90er in die Wave-Szene kam und der Roman Ende der 80er schließt, war es doch unglaublich spannend zu lesen, wie sich die Wave-Szene entwickelte.

Klaus Märkert schreibt humorvoll und angenehm lakonisch. Leser die denken, dass ein Grufti-DJ, der sich seit 30 Jahren in dieser düsteren Szene bewegt, mindestens so verzwirbelte, todessehnsüchtige und affektiert gestelzte Texte wie einige deutsche Bands in den 90ern schreiben muss, werden eines besseren belehrt. Märkert schreibt nüchtern und manchmal hatte ich das Gefühl, zwischen den Zeilen ein Schmunzeln zu erkennen.

Inhaltlich geht es um das Leben eines DJs (Märkert): Studium, Jobben in einem Plattenladen, Jobben in der Disco, Platten auflegen. Ein bißchen Frauen, ein bißchen Kiffen.

Der Soundtrack zu diesem Buch: The Cure, Joy Division und Sisters of Mercy.

“Hab Sonne” hat keinen durchgestylten Plot; ist kein Epos, an dessen Ende der Held durch seine Abenteuer gestählt gen Walhalla auffährt. Muss der Roman aber auch gar nicht haben. Und: will der Roman auch gar nicht haben. Trotzdem macht es Spaß „Hab Sonne“ zu lesen, denn Märkert ist ein hervorragender Beobachter. Das eh schon skurile Setting (im Zwischenfall trafen sich die unterschiedlichsten Menschen – Skins, Punks, Gruftis, Hippies, Metaller, etc. „normale“ Menschen traf man dort eigentlich nie) bietet eine tolle Spielwiese für die unterhaltsamen Beschreibungen des Autors.

Es gibt zwar eine zweite Erzählebene (der Protagonist im Krankenhaus, nach einem Herzinfarkt), aber auch hier vermeidet der Autor in so ein Selbsthilfegruppenklischee zu verfallen.

Ist das jetzt ein Buch „aus der Szene, für die Szene“? Da würde ich mal sagen: Nein. Auch Leser, die nicht den Zwischenfall kennen, nicht das Jara in Dortmund oder den Rockpalast in Bochum können an dem Buch ihre Freude haben, denn es bietet einen authentischen Einblick in die Subkulturhauptstadt 1985. Und das ist bisweilen amüsanter, als so mancher Programmpunkt der Kulturhauptstadt 2010.

Also: lesen! Kaufen! Und schaut Euch auch mal eine Lesung von Klaus an. Live macht es auch Spaß.

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