Not my Verteidigungsminister II

Jetzt ist es also passiert. Nach knapp zwei Wochen medialer Dauerberieselung ist K.T. zu Guttenberg zurückgetreten. Das eine Lager jubelt, die anderen jammern ein wenig, lecken die Wunden und rufen trotzig das Comeback des Freiherrn herbei. Ich gebe zu, ich bin mit dieser Entscheidung sehr zufrieden, denn ich halte K.T. zu Guttenberg einfach nicht für glaubwürdig. Aus mehreren Gründen … und trotzdem sollten Gegner wie Befürworter seines Abgangs einmal kurz aufblicken und sehen, was da gerade mit unserer Gesellschaft passiert ist. Denn was da gerade passierte ist fantastisch und hoffentlich Beispielgebend für die Zukunft.

Fehlverhalten macht sexy — manchmal
Ich halte KT für unglaubwürdig, weil er nicht offensiv mit der Wahrheit umgegangen ist. Er fuhr zwölf Tage lang diese Salamitaktik: Immer genau so viel zugeben, wie es eben sein muss. Ich glaube, wenn er direkt am Anfang des Desasters selbstbewusst nach vorne gegangen wäre, dem Volk per Fernsehkamera oder von mir aus auch per BILD-Exklusivinterview die Wahrheit gesagt hätte, dann wäre er mir persönlich sogar etwas sympathischer geworden. „Ich mag die Engel, kurz vor dem Fall“, singen Tocotronic und ich mag sehr gerne Menschlichkeit. Die zeigt sich nicht selten gerade im Fall, im Bruch und im Fehlverhalten. Vor allem aber im Eingeständnis des Fehlverhaltens. Das habe ich vermisst.

Naivität wird bestraft
Darüber hinaus halte ich KT für unglaublich naiv (und allein für diese Naivität musste er meiner Meinung nach zurücktreten). An dem Tag, als bekannt wurde, dass es im Netz ein Wiki  gibt, dass sich mit seiner Doktorarbeit beschäftigt, war klar, dass Hunderte von Menschen sich an diese Arbeit setzen werden und diese Arbeit akribisch prüfen werden. Aussitzen und darauf hoffen, dass sich die Wogen von selbst wieder glätten, funktioniert in der modernen hochvernetzten Gesellschaft nicht mehr.

Die Politik findet im Netz statt
Und das ist toll. Ich finde es großartig. Das, was da in den letzten Tagen passierte, hätte vor 15, ja sogar vor zehn Jahren so nicht passieren können. Die Gesellschaft demokratisiert. Die Gesellschaft nimmt teil, die Gesellschaft bestimmt mit. Und deswegen gefallen mir auch jetzt die 400.000 Guttenberg-muss-zurück-Fans. Es ist nicht meine Meinung, aber es ist toll, dass so viele Menschen in so kurzer Zeit ihre Meinung (und auch ihre Macht) demonstrieren können.

Politik der alten Schule
Und deswegen wird sich in Zukunft die Politik verändern müssen. Sie muss ihre Lehren aus dem Fehlverhalten und den Fehleinschätzungen Guttenbergs ziehen. Die Politiker beklagen doch stets, dass sich die Menschen stärker einbringen sollen, dass sie sich stärker für Politik interessieren sollen. Nun, ich denke wir sind auf einem guten Weg dahin. Jetzt ist es an der Politik zu lernen damit umzugehen. Wenn es ihr gelingt, diese Power, die zweifelsfrei vorhanden ist aufzugreifen, könnte dies ein Schritt zu einer demokratischeren Gesellschaft sein. Die Menschen wollen sich einbringen, das sollte die Politik jetzt begriffen haben. Ob sie ihre Schlüsse daraus zieht, wird sich zeigen.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Not my Verteidigungsminister II

  1. Pingback: Unverständnis | eimerchen's spillage

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s