Wie die Jungfrau zum Kindle

Zu meinem Geburtstag bekam ich von der besten Ehefrau völlig unerwartet einen Kindle geschenkt. Wir hatten und vorher ein paar mal darüber unterhalten und sie dachte, dass es eine gute Idee wäre. Du bist ein Spielkind, du liest gern und wenn du beruflich unterwegs bist, ist es wirklich praktisch. Das waren ihre Worte.

In unseren Unterhaltungen vor meinem Geburtstag hatte ich durchaus Zweifel geäußert. Natürlich ist ein Kindle auf dem 3.500 Bücher passen praktisch. Andererseits ist es auch sehr geil eine Regalwand voller Bücher im Zimmer stehen zu haben. Macht ja was her, wenn mal Besuch kommt. Und natürlich schiebt man immer die Kafka-Gesamtausgabe zwischen die Pappschuber mit den sechs Bänden Charles Baudelaire und die 14-bändige Hamburger Ausgabe von Goethe aus dem dtv. In Augenhöhe. Gut sichtbar. Und vor allen Dingen vor die Stephen Kings, Dan Browns und Frank Schätzings.

Ein Kindle ist dagegen völlig unscheinbar. Ein dünnes Ding, das ein wenig wie eine zu klein geratene Kopie eines iPad erinnert. Oder an etwas, von dem Hersteller in Bangladesch und Somalia denken, dass es wie ein zu klein geratenes iPad aussieht. Wie auch immer.

Ich packte also am Morgen meines Geburtstages das Paket aus, sah den Amazon-Karton, sah darin den Kindle und wusste nicht so richtig. Da aber die Einschätzung der besten Ehefrau, ich sei ein Spielkind, nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist, machte ich mich sofort mit dem Kindle vertraut. Als erstes wollte ich den Aufkleber mit der Schrift auf dem Display abknibbeln. Echt jetzt. Erst fünf Augenblicke später merkte ich, dass es gar keinen Aufkleber gab. Die Schrift ist wirklich unglaublich scharf und klar.

Die Bedienung des Geräts: easypopeasy. Das Amazon-Konto eingerichtet (da die Ehefrau ihn bestellt hatte, lief er auf ihrem) und erst einmal ein paar der kostenlosen Klassiker geladen. Per Whispernet und kostenlosem 3G ging das zügig und ohne nennenswerte Vorkommnisse.

Anschließend Schriftgröße und -art eingestellt. Und losgelesen. Begeistert losgelesen.

Nach ein paar Tagen bestellte ich mir noch eine Kindle-Hülle mit eingebautem Leselicht, weil der Bildschirm des Readers ja keine eigene Beleuchtung hat und es abends im Bett mit der LED das echte Taschenlampen-unter-der-Bettdecke-Feeling gibt.

Und was soll ich sagen: Ich bin ein ziemlicher Fan geworden. Der Kindle ist praktisch, macht Spaß und ist wirklich schön zu bedienen. Ich lese mehr als vorher.

Ein gutes Geschenk hat sie mir gemacht.

Und wenn Besuch kommt, stehen im Arbeitszimmer ja immer noch Baudelaire, Kafka und Goethe.
In Augenhöhe.

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