Kleine, geile Blogs

Ha, ich blogge immer noch. Nicht sehr fleißig, aber es gibt den Sprachrhythmus noch, dachte ich gerade kurz, als ich die Links in meiner Blogroll aufgeräumt habe und erschrocken bin, wie viele dieser verlinkten Blogs entweder gar nicht mehr online sind, seit Jahren brach liegen oder inzwischen zu privaten, geschützten Seiten mutierten. Trotzdem ist diese Entwicklung traurig und zeit-punkt-genau.

Gedanken
Denn irgendwie passt das gerade alles zusammen: Vor ein paar Tagen, nach der schönen gemeinsamen Lesung mit Sascha Bisley vom Dortmund-Diary-Blog, dachte ich in einer stillen Minute, dass ich gerne wieder viel mehr bloggen möchte. Richtige Stories, Geschichten aus dem Leben, von mir aus auch literarisch. Aber etwas erzählen, das über den Charakter einer verlängerten Facebook-Statusmeldung hinaus geht. Kurz: Dem Leser einen echten Mehrwert bieten.

Dann referierte Sascha Lobo auf der re:publica. Und immer wenn die re:publica stattfindet, bin ich eh etwas melancholisch. Weil ich nicht da bin. Weil so viele kluge Menschen dort sind, die viele interessante Gedanken aussprechen. Und weil ich gefühlt dort hingehöre, zwischen all die Zuhörer. Aber ich sitze in einem Ruhrgebietsbüro. Weit weg von Berlin.

Lobo erzählte von Blogs und dass diese wieder stärker genutzt werden sollten. Seine Argumentation, dass Inhalte und Texte auf (selbstgehosteten) Blogs dem Autoren gehören, und eben nicht Facebook, Google, Twitter oder Pinterest, klingt logisch. Und dann machte er den Rundumschlag und zeigte pointiert, wie zweifelhaft (Facebook), verkaufsgefährdet (Twitter) oder egal (Google+) unsere geliebten Social Networks doch sind.

Ursachen
Mein eigenes Befinden, die re:publica, Lobo und die Lesung neulich, alles zusammen macht ein recht rundes Bild, das mir zeigt: einfach mehr bloggen. Erzählen, was man so zu erzählen hat. Aber dann schaue ich auf mein Verhalten und sehe: ich blogge nur (noch) selten, ich lese nur noch selten tolle und gute Blogs (vielleicht finde ich die guten Blogs auch einfach nicht, oder es gibt sie nicht). Und wie ich es an meiner Blogroll sehen kann, die ja der Auslöser für diesen Blogpost ist: Andere bloggen auch nicht mehr. Stattdessen treibt man sich auf Facebook und Twitter rum, sendet Statusmeldungen und Tweets, und kommentiert die Statusmeldungen und Tweets der anderen, die auch nicht mehr bloggen.

Bloggen ist anstrengend. Bloggen macht Arbeit. Und bloggen ist undankbar. Denn bei Twitter und Facebook bekommt man immer (s)ein Feedback. Schnell, direkt und kommunikativ. Und es mag eitel sein, aber natürlich wünscht sich ein Autor, egal ob on- oder offline sein Feedback. Toller Eintrag, doofer Eintrag, ich verlinke dich, ich scheiß auf dich. Sowas halt. Kommt aber eher selten. Und noch seltener, wenn man eben kein Tech-Blog betreibt und einmal im Monat ein iPad oder das neue Samsung Galaxy verlost.

Unboxing Life
Okay. Und nun? Egal, ein Versuch ist es wert. Schreiben. Erzählen. Sich Zeit nehmen Wertschätzen. Kommentieren. Verlinken. An die eigene Nase fassen. Sich Zeit geben. Geduldig sein. Mit sich. Mit Blogbeiträgen anderer Menschen. Facebook und Twitter nutzen, um für sein Blog zu werben. Für die Abbildung des Lebens und für die Geschichten aus dem Leben, das eigene Blog benutzen.

Auch dieses Blog wird mittelfristig unter meiner eigenen Domain www.mirkokussin.de erreichbar sein. Momentan bin ich einfach nicht fit genug in Website Baker. Aber ich habe mir was vorgenommen. Und ich werde wieder mit offeneren Augen durch mein Leben gehen, werde die Geschichten, die das Leben einem so gibt, aufschreiben. Bloggen. Von mir aus auch literarisch. Und dann wollnwa mal sehen, was so passieren wird.

 

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5 Gedanken zu “Kleine, geile Blogs

  1. Jau schön weiterbloggen. Da ich immer noch nicht dem Web 200.39 verfallen bin und facebook sowie Twitter weiträumig umschiffe, ist es schön, dass ich hier immer etwas über Mirko und sein Leben bzw. Wirken auf dem Laufenden gehalten werde. :o)

  2. Pingback: Über Relevanz, Reichweite und bloggende Frauen › Digital Diary - Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück

  3. Pingback: Kleine geile Blogs « Reflexionsschicht

  4. Super Beitrag. Ich dachte fast Du schreibst über mich. Kann das alles nur unterstreichen. danke, Du hast mich aufgerüttelt und motiviert meine Pläne weiter zu verfolgen. Werde Deinen Blog ganz sicher weiter verfolgen und lesen.

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