Die Hundert Dinge im Kloster Arenberg

Vor gut einer Woche ist es wieder so weit: Sonntagsmorgens um kurz nach zehn sitzen die beste Ehefrau und ich im Auto und starten zu unserem inzwischen fünften Urlaub im Kloster Arenberg. Die Bahn ist total frei, nach zwei Stunden fahren wir die Serpentine zum Klostergelände hoch. An der Rezeption ein kleiner Schock beim Check-in. Mein Gesicht lächelt mir vom Empfangstresen entgegen. Und von den Info-Wänden. Es wird ausführlich auf den Vortrag die Lesung hingewiesen, den/die ich ein paar Tage später hier halten werde.

Eijeijeijei höre ich mich in den kommenden Tagen immer wieder sagen, wenn ich an der Ankündigung vorbeigehe. Als wir unser Zimmer beziehen können, folgt die nächste Überraschung: Unser gebuchtes Doppelzimmer wurde in ein „Appartement“ upgegraded. Wobei „Appartement“ so nach Kochnische und Ferienwohnung mit Schlafcouch klingt, das Zimmer – eigentlich eher DIE Zimmer, geschätzt 25m² groß, mit Sofa, Sessel, zwei Schreibtischen, extra Schlafraum, etc – aber eher wie eine Suite wirkt.

Alles ist schön. Sonntag Abend grinse ich schon beseelt in mich hinein, Montag Abend bin ich nach einer wundervollen Shiatsu-Massage komplett tiefenentspannt, atme durch und aus, schweige und freue mich dort sein zu dürfen.

Btw:
Wer mir einen guten Tipp für hervorragende Shiatsu-Massagen in Dortmund geben kann, wird sich auf ewig meine Dankbarkeit sichern.

Aber zurück zum Kloster Arenberg: Zwei Tage später – am Mittwoch – ist die Entspannung dann wieder weg, denn abends halte ich die Lesung zu den Hundert Dingen. Ich bin etwas angespannt, denn ich kann das Publikum, anders als bei sonstigen Lesungen, nur sehr schwer einschätzen. Außerdem stehen noch mehr Aufsteller mit meinem Gesicht und der Veranstaltungsankündigung überall im Kloster herum. Ich grübele in mich hinein.
Werden die Texte ankommen? Sind sie zu albern für ein Kloster? Zu derbe? Sowas schießt mir durch den Kopf.
Blöd an der Lesung: Wenn sie floppt, bin ich nicht wie sonst zwei Stunden später wieder daheim, sondern werde die strafenden Blicke der Zuhörer noch ein paar Tage lang ertragen müssen.
Als kleines Geschenk habe ich für das Publikum Seifenstücke mitgebracht. Die Idee fanden ein paar meiner Facebook-Bekannten im Vorfeld doppeldeutig. Sie assoziierten damit Sachen wie Mund auswaschen etc. Auch da bin ich unsicher.

Um es kurz zu machen: Die Lesung ist toll. Es wird gelacht, aber die Nachdenklichkeit in den Texten kommt ebenfalls gut rüber. Das Ärgerlichste an diesem Abend: Es bildet sich eine lange Schlange von Menschen, die die Hundert Dinge kaufen möchten, ich habe aber nur zehn Exemplare dabei. Etwa 15 Leute gehen leer aus. Das ist nicht so schön. Anschließend bin ich geschafft und glücklich, trinke Wein mit Schwestern und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein.

In den kommenden Tagen erzählen mir  einige Gäste die Geschichten zu ihren Lieblingsdingen. Das ist bewegend. Weil ich noch nie so hautnah mitbekommen habe, wie meine Texte in den Köpfen der Menschen nachwirken. Das ist ein Geschenk.

Freitags gibt es dann nochmal eine Shiatsu-Massage und so langsam stellt sich der Abschiedsschmerz ein. Ich war noch nie gut im Abschied nehmen. Bin es immer noch nicht. Samstags geht es dann zurück. Nach Dortmund. In das Laute. In das Schnelle. In den Alltag.

Natürlich haben wir sofort wieder gebucht. Geht gar nicht mehr anders. Geht gar nicht mehr ohne. Muss sein, ist doch alles zu laut, zu schnell und zu alltäglich.

Heute dann im Postkasten eine schöne Karte gefunden. Aus Arenberg. Die hat das Herz bewegt. Jetzt heißt es wieder Tage zählen bis zum nächsten Aufenthalt dort. Ich freue mich. Sehr. Bin und bleibe dankbar.

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