Das Universum und unsere Rolle darin

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Neulich fragte ich auf Facebook in die Runde, über welches Thema ich in meinem nächsten Blogpost schreiben solle. Eure Vorschläge haben mein Assoziationskarussell angeschmissen und aus diesen Ideen werden ganz sicher noch mehrere Texte entstehen. „Gewonnen“ hat allerdings der Vorschlag eines Mannes, der in seinem kleinen tätowierten Finger mehr Stil hat als das gesamte, gut gefüllte Foyer des Dortmunder Konzerthauses an einem Samstagabend in der Pause irgendeines Mozart-Schinkens. Dieser Mann, den ich sehr schätze, weil hinter seinen Augen der Zorn und die Traurigkeit einer ganzen Welt schimmern, schlug vor, dass ich über das Universum, unsere Rolle darin und meinem Alternativmodell schreiben solle.

Und dann mache ich das doch einfach mal.

Vor einigen Jahren hätte ich grinsend gesagt, dass das Universum riesig ist, der Mensch winzig und keinen Fliegenschiss wert. Our lives are like words written with a stick in water, heißt es in einem Song meiner Lieblingsband. Und das trifft es ziemlich gut.

Auch wenn ich diese Band noch immer liebe und diesen Satz noch immer als treffend empfinde, so bin ich doch älter geworden. Das Universum ist riesig – unendlich wahrscheinlich. Zu groß für uns. Und wenn es außerhalb des Körpers keine Grenzen gibt, baut der Mensch sich selbst welche. Vielleicht ist das sogar richtig. Denn ohne Grenzen läuft man Gefahr sich zu verlieren. Die Beschränkung des Raumes gibt Sicherheit und Halt.

Ist der Einzelne für das Universum interessant? Wahrscheinlich nicht. Oder doch? Wenn Chaostheoretiker behaupten, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings am anderen Ende der Welt einen Tornado auslösen kann, dann wäre unsere Existenz für das Universum auf jeden Fall interessant. Aber abgesehen davon halte ich es für ziemlich müßig, den einzelnen Menschen ins Verhältnis zu Vorgängen im Weltall zu setzen. Das ist nicht fair. Beide mögen Teil eines großen Ganzen sein, aber sie spielen in völlig unterschiedlichen Ligen. So wie der Kassenwart des Hörder SC und der Schatzmeister des BVB sich ja auch beide um die finanzielle Situation einer Fußballmannschaft kümmern und trotzdem nichts voneinander wissen.

Hier auf der Erde, in einem kleineren Rahmen hingegen, denke ich, dass die Existenz jedes Einzelnen sehr wohl eine Bedeutung hat. Das muss keine weltverändernde Bedeutung sein, das kann auch etwas sehr Kleines sein. Ein gutes Gefühl, das man einem anderen gibt. Vielleicht nur eine einzige Situation im Leben, in der man für einen anderen Menschen existenziell wichtig wird: Ein Unfall, bei dem man hilft. Der beste Freund, für den man zum richtigen Zeitpunkt am passenden Ort ist. Der Penner in der Fußgängerzone, für den die 50 Cent, die man ihm gibt, an diesem speziellen Tag besonders wertvoll sind. Vielleicht sind einige dieser Ereignisse für uns so unbedeutend, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Aber mir gefällt der Gedanke, dass unsere Handlungen manchmal für andere Menschen unheimlich wichtig sind. Wenn Mensch X für Mensch Y wichtig ist, ist das eine Hauptrolle in der Welt. Und wenn Mensch X alleine lebt und fünf Katzen oder zwei Hunde pflegt, so ist er für sie verantwortlich.
Wichtig.
Das Leben.Eben: die Hauptrolle.
Ich glaube, wenn wir Verantwortung übernehmen, für einen Menschen, für ein Tier, für eine Sache oder Idee, dann wird unsere Existenz wichtig.

Und mein Gegenentwurf? Habe ich nicht. Andere bestimmt. Anton LaVey hat einen formuliert, L. Ron Hubbard hat einen formuliert. Jeder spinnerte Esoteriker hat einen spinnerten Gegenentwurf für unsere Existenz im Universum formuliert.
Das reicht.

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