Wieder werden

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Ich habe lange nicht geschrieben.
Sicher, ich schreibe jeden Tag: Journalistische Texte. Pressemitteilungen. Konzepte. Hin und wieder ein paar Zeilen für diesen Sprachrhythmus.

Aber geschrieben habe ich lange nicht.

Selbst die Hundert Dinge – verlegt, gedruckt, vereinzelt gekauft und gelesen – hatten ja auch nur entfernt etwas mit Literatur zu tun. Das waren Blogtexte. Das war die kurze Distanz. Das war nicht aus dem Handgelenk geschüttelt, aber auch kein Kampf.

Das war zu wenig. Das war mir nicht genug.

Was mir fehlt, das ist die große Aufgabe, die große Idee.
Nein, das stimmt nicht. Was mir in erster Linie fehlt, das ist die Motivation, die großen Ideen umzusetzen, die große Aufgabe anzugehen. Endlich einfach mal zu machen und nichts sonst.

Meist merke ich kaum, wie unzufrieden mich das macht. Auch journalistische Texte bringen ein Feedback, auch Blogbeiträge werden gelesen und kommentiert. Ich kann es mir damit bequem machen, denn die Arbeit ist überschaubar und die Resonanz gut genug um zu überleben.

Aber immer öfter merke ich, dass das nicht alles sein kann. Nicht sein darf. Und ich weiß sogar um die Auslöser dieser Unzufriedenheit. Kann sie zeitlich genau verorten.

Immer, wenn die Teilnehmer des Open Mike in Berlin bekanntgegeben werden, ist die Unzufriedenheit da. Weil ich dann Bilanz ziehe, was seit meiner Teilnahme beim Endausscheid im Jahre 2007 so alles passiert ist.

Immer, wenn die Teilnehmer des Klagenfurter Literaturkurses bekanntgegeben werden ist da diese Unzufriedenheit. Weil ich Bilanz ziehe, was seit der tollsten (literarischen) Woche in meinem Leben so passiert ist. 2009 war das.

Nachrichten vom gwk-Förderpreis sind schlimm, weil ich ihn 2009 für ein Manuskript verliehen bekam, das ich bis zum heutigen Tag nicht vollendete. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich ein schwarzes Loch bin, das Förderungen aufsaugt und nichts abgibt.

Und dann ist da noch dieser Satz der besten Ehefrau, der sich in mein Hirn eingebrannt hat. Als ich seinerzeit vom Literaturkurs aus Klagenfurt heimkehrte und sie mich vom Flughafen abholte, sagte sie, dass sie sich sicher sei, dass ich noch einmal dort sein werde.

Bei den Großen. Bei Bachmann.

Das ist dieses große Ziel. Das ist diese große Idee.

Erfolg durch Fleiß steht auf einer Kladde, in der ich alle Dinge sammelte, die ich aus Klagenfurt mitnahm.

Ich muss fleißig sein.

Wieder.

Werden.

Mich motivieren, mir Deadlines setzen. Deadlines gesetzt bekommen. Arschtritte auch. Der Geschichte, die seit Monaten in meinem Bauch rumort zuhören. Sie aufschreiben. Die Bilder, die in meinem Kopf sind in Sprache fassen, das Motiv, das hinter meiner Stirn tätowiert ist zwischen die Zeilen legen.

Ich muss wieder werden.

Fleißig.

Ich muss sein.

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2 Gedanken zu “Wieder werden

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