Ein selbstgemachtes Wunder

Sina

Es gibt gute Bücher, schlechte Bücher und mittelmäßige Bücher.
Und manchmal – ganz selten nur – hat man riesiges Glück und kriegt ein Buch in die Hände, das einen umhaut.
Solch ein Glücksbuch hat mir die vergangenen Tage versüßt.

Es heißt „Wunder muss man selber machen“, ist von Sina Trinkwalder und beschreibt die Geburt von „manomama“, einer ökologisch, sozial und nachhaltig agierenden Textilmanufaktur, die ausschließlich in Deutschland produziert.
Mit Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt verloren schienen.
Mit ökologisch wertvollen Rohstoffen.
Mit Respekt gegenüber den Mitarbeitern.
Mit einer gehörigen Portion Idealismus und Wahnsinn.
Und mit sehr viel Glauben an eine bessere Zukunft.

Auf angenehmen 250 Seiten bekommt der Leser einen Eindruck über Sinas Beweggründe aus der eigenen erfolgreichen Werbeagentur auszusteigen und ohne irgendwelche Nähkenntnisse ein Textilunternehmen zu gründen. Das war 2010.
Inzwischen bietet manomama mehr als 130 Menschen einen Arbeitsplatz. Und zwar einen fairen, einen respektvollen, einen, der der Arbeit ihren Wert zurückgibt.

Ich habe jede Seite dieses Buches genossen. Weil Sina es schafft, ihre Begeisterung, ihren Willen und ihren radikalen Traum von einer gerechteren Gesellschaft so auf die Seiten zu bringen, dass es einen mitreißt. Rührend erzählt sie von ihren Ladys und deren Biografien. Traurig wird man, wenn man über das Desinteresse der lokalen Wirtschaftsförderung liest, und über Peer Steinbrück kann man nach diesem Buch nur noch den Kopf schütteln.
Bitter.

Vielleicht hat mich das Buch so berührt, weil gerade der Herbst beginnt. Vielleicht, weil ich Sina zwar nicht persönlich kenne, wir uns aber seit 2009 über die sozialen Medien verfolgen. Vielleicht, weil ich in der übernächsten Woche wieder ins von mir geliebte Kloster Arenberg fahre, dessen Gästehauskonzept einen ähnlich fairen, regionalen und menschlichen Ansatz verfolgt. Ach, vielleicht auch nur, weil Sina Sachen anpackt, von denen es heißt, dass sie nie funktionieren können. Und das motiviert ungemein, auch mal das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen.

„Wunder muss man selber machen“ ist vielleicht – zusammen mit Götz Werners „Einkommen für alle“ – das wichtigste Buch der vergangenen zehn Jahre. Aber während Werners Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens noch eine Utopie ist, arbeiten die Menschen bei manomama bereits. An Textilien. An Werten. Und an einer besseren Gesellschaft.
Holt Euch dieses Buch!

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8 Gedanken zu “Ein selbstgemachtes Wunder

  1. Ich bin gespannt, habe in unserer Sindelfinger Bibliothek angeregt, dass das Buch für den Verleih angeschafft wird. Jemand ist mir mit dem Vorschlag zuvorgekommen und so werde ich es erst als zweite lesen können. Aber egal, Hauptsache, es ist in der Bibliothek verfügbar.

  2. Ich habe das Buch gelesen und unsere örtliche Bücherei gebeten es anzuschaffen. Aus Freude über die Arbeit von Frau Trinkwalder habe ich sogar bei Edeka ein Tragtasche gekauf obwohl ich sowas immer selber mache.

  3. Ich bin so gespannt auf das Buch!!! Tragetaschen haben wir schon mindestens drei… Sie sind einfach zu schön! … Danke für die noch neugierig machendere Rezension!

  4. Nicht nur die Tragetaschen sind prima 😉 – Auch Ihre Jeans sind der absolute Hit! Man hat einfach ein ganz anderes Trage-Gefühl, wenn man weiß woher die Ware kommt und wer sie zusammen „getakkert“ hat!

  5. Anders ist möglich. Sehr empfehlenswert ist auch das Buch von Detlef Lohmann … und mittags geh ich heim. Er hat in seinem Unternehmen die Hierarchie auf den Kopf gestellt. Ein Buch über Mitarbeiterführung spannend, leicht verständlich und innovativ.

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