Mit dem Rücken zur Welt

Ich war weg. Und wieder da. An dem Ort, der mit jedem weiteren Besuch ein Stück mehr zur Herzensheimat wird: das Kloster Arenberg.
Ein Kloster in Koblenz als Herzensheimat? Nicht die Weltstadt New York? Nicht die Weite Australiens? Nicht ein Sonnenuntergangsstrand auf Ko Phi Phi Leh?
Nö. New York ist bestimmt super. Australien riesig. Und Ko Phi Phi Leh eine Trauminsel. Keine Frage. Aber was nützt einem das alles, wenn das Herz nicht dabei ist? Oder das Herz dabei ist, aber die Seele keine Ruhe findet?
Die Hoffnung auf Ruhe ist die Hauptmotivation, warum ich in den Urlaub fahre. Damit da mal Stille ist im Kopf. Damit ich wieder hören kann. Damit der Lärm mal weg ist. Um mich herum. Und in mir.
Und all das passiert für mich nun mal in Koblenz.
Habe ich mir auch nicht ausgesucht. Ist aber so. Und es ist gut, so wie es ist.
Also, die beste Ehefrau und ich waren mal wieder dort. Sind wieder herzlich empfangen worden, haben wieder entspannt, hatten tolle Begegnungen und wunderbare Gespräche. Das alles habe ich bereits so – oder so ähnlich – mehrmals hier geschrieben. Schließlich war es unser 7. Aufenthalt dort. Trotzdem gab es auch diesmal wieder Highlights.
Wenn ich etwa nach ziemlich genau einem Jahr begeistert auf eine Lesung zu den Hundert Dingen angesprochen werde, dann ist das schon sehr rührend.
Und immer passieren dort Sachen, die einen ins Grübeln bringen.
Da kaufe ich einen Kugelschreiber im Klosterlädchen, will in benutzen und er will und will nicht schreiben. Ich kritzele wie bescheuert in meinem Notizbuch rum.
Nichts.
Ich lege ihn beiseite. Nehme ihn wieder in die Hand, kritzele wieder rum.
Nichts passiert.
Ich mache die Mine ein wenig nass, kritzele in mein Notizbuch, die leere Seite ist inzwischen fast durchgeschubbert.
Nichts.
Die beste Ehefrau sagt – inzwischen zum x-ten Mal – Tausch ihn doch einfach um.
Ich gehe also zurück zum Lädchen und erkläre der Schwester hinter der Kasse mein Problem des nicht-schreibenden Kugelschreibers. Sie nimmt ihn mir aus der Hand, fragt ganz betont, ob ich denn wirklich sicher sei, dass er nicht schreiben würde, nimmt einen Zettel …
und schreibt darauf herum.
Problemlos. Ansatzlos. In deutlich sichtbaren Lettern.
Ich finde das ja schon ein wenig … spooky.
Aber nun gut. Ich lasse das einfach mal so stehen. Nehme es an und mit, und wunder mich nicht weiter.
Da ich diesem Ort und den Menschen die dort leben und arbeiten so ziemlich unendlich dankbar bin, habe ich diesmal etwas da gelassen. Mein Exemplar von Sinas begeisterndem Buch „Wunder muss man selber machen“, über das ich ja neulich hier im Blog schrieb.
Ich weiß es bei den Schwestern in guten Händen.

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Bis zum nächsten Urlaub in Arenberg werden noch einige Monate vergehen.
Ich werde versuchen zumindest ein klein wenig der Stille im Kopf über diese Zeit hinweg zu retten. Werde an New York denken, vielleicht sogar etwas sehnsüchtig an Australien.
Aber Herz und Seele wissen genau, wohin es mich auch im kommenden Jahr ziehen wird.
Habe ich mir auch nicht ausgesucht. Ist aber so. Und es ist gut, so wie es ist.

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Ein Gedanke zu “Mit dem Rücken zur Welt

  1. …..und wie dir geht es Vielen , die dort mit erschöpfter Seele und leeren Händen ankommen. Wir alle gehen um Einiges reicher , gestärkter und beruhigter von Koblenz aus zurück in unser Leben ! Hab ich mir auch nicht so ausgesucht ….. ist aber unfassbar gut so !!!!! 🙂

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