Vierzig werden

IMG_00000135Die Gedanken begannen irgendwann, nachdem ich 39 geworden war. Ganz plötzlich. Das war kein schleichender Prozess – eher ein Donnerschlag. Auf einmal hatte sich in meinem Kopf die Idee festgesetzt, dass alles mit dem nächsten Geburtstag anders werden würde.
Dass ich mit dem nächsten Geburtstag alt werden würde.
Dass der nächste verdammte Geburtstag hinter mir eine Tür zuwerfen würde. Eine Tür, durch die ich mich bislang noch hin und wieder schleichen konnte, um auf der Schlagwortwolke jugendlich-jung-frisch-verrückt-wild herumzuklettern.
Schluss mit jugendlichem Leichtsinn, mit Unvernunft, mit radikalen Ideen, mit besinnungslosem Hier und Jetzt.
Es ist nur eine Zahl
, redete ich mir ein.
Es ist nur eine Zahl, sagten auch die meisten derer, denen ich meine schlimmsten Befürchtungen im Zusammenhang mit dem anstehenden Geburtstag verriet.
Solche Beruhigungssätze sind das Wohlfühlprogramm für die Psyche!
Nervenenden-Wellness.
Homöopathische Globuli-Aussagen wider das bessere Wissen.
Mutmach-Mantras.
Natürlich ist es nur eine Zahl. Nicht anders als 39, 41, 17 oder 62. Und trotzdem steht die 40 für eine Zäsur. Sie steht für den Abschied von der Jugend – zumindest für mich. Und wie bei jedem Abschied ziehe ich Bilanz.
Wo stehe ich?
Wo wollte ich eigentlich hin?
Was habe ich erreicht?
Was habe ich (noch) vor?
Und sollte ich nicht mal langsam mit dem anfangen, was ich noch so vorhabe?
Denn ab jetzt wird die Zeit weniger! Ich habe eben nicht mehr noch das ganze Leben vor mir. Nö, die Hälfte ist rum.

Man ist immer nur so alt wie man sich fühlt, hörte ich oft genug in letzter Zeit. Ausnahmslos von Menschen, die älter waren als ich. Aber diese Auffassung ist ähnlich objektiv, wie der Attraktivitätsgrad von Frauen auf einer Singleparty morgens um vier – aus Sicht der verbleibenden Männer mit mindestens zweieinhalb Promille Blutalkoholgehalt.
Man redet sich etwas schön.
Unterm Strich ist die Rechnung einfach: 40 ist die Hälfte von 80. Und 80 ist so ungefähr die Summe von … tot.

Wie man lesen kann, hatte ich vor meinem Geburtstag also den einen oder anderen melancholischen Gedanken. Dass der Stichtag selbst dann einer der schönsten Geburtstage meines bisherigen Lebens war, ist der Verdienst von sehr vielen Menschen. Und der besten Ehefrau der Welt. Die organisierte nämlich so einiges (einen spontanen Superkurzaufenthalt im Kloster Arenberg, eine ganz zauberhafte Postkarten-Sammelaktion mit Grüßen von sehr vielen lieben und netten Menschen und einen geplanten Besuch zu Ostern im Urlaubsort meiner Kindheit: dem Bergdorf Vent in Tirol). Und im Kloster haben dann die Schwestern nochmal alles gegeben. Das war schon besonders herzlich, liebevoll und rührend. Warum man uns dort so mag, kann ich zwar immer noch nicht ganz begreifen, aber mit jedem Besuch nehme ich mir vor, das einfach anzunehmen.

Also: Geburtstag superschön (auch hier nochmal einen lieben herzlichen Dank an alle Gratulanten) – aber die Gedanken, die man sich so in der Lebensmitte macht, sind auch weiterhin da. Was war? Was kommt? Wo stehe ich momentan? Ich versuche die Fragen mit ins kommende Jahrzehnt zu nehmen. Sie zu beantworten und vielleicht den einen oder anderen Impuls für die nächsten Jahre zu bekommen. Und zu meinem 50. mach ich dann die große Sause.
Vielleicht.
Versprochen.

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Ein Gedanke zu “Vierzig werden

  1. Mit 40 ist die Jugend vorbei? Wenn du schon so spät ansetzt, dann kannst du doch noch Welpenschutz bis 50 oder 60 beantragen. Hauptsache, du machst Schluss mit radikalen Ideen!

    Herzliche Grüße vom Mummelgreis Anselm (40 seit einem halben Jahr und immer auf der Suche nach Nonnen, die alles geben)

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