Warum ich die Krautreporter unterstütze, obwohl …

Vor einigen Wochen startete unter großem Leitmedientralala die Crowdfunding-Kampagne der Krautreporter – ein paar Handvoll Journalisten, und ein paar davon in der Netzgemeinde bekannt.
Deren Grundidee: unabhängiger, weil nicht durch Werbung querfinanzierter Journalismus. Dazu werden 15.000 Menschen gesucht, die bereit sind 60 Euro im Jahr zu zahlen. Für diese schlanken 5 Euro im Monat bekäme der Nutzer dann „gut recherchierte“ Stories, Reportagen und Hintergrundberichte, ein wenig Einbindung in Themenfindung und das Gefühl ein Startup zu unterstützen, das bei Erfolg die Medienlandschaft verändern wird.

So ganz konkret sind sie leider nicht, die Krautreporter.
Und so ganz überzeugt haben sie mich auch noch nicht.
Trotzdem habe ich eine Mitgliedschaft erworben und drücke den Damen und Herren die Daumen, dass sie es doch noch schaffen, diese 15.000 Unterstützer zu erreichen. Gut sieht es nicht aus: eine knappe Woche vor Aktionsende sind es erst knapp 8.000 Mitglieder.

Es lief von Anfang an nicht so ganz rund, bei den Krautreportern. Deren Haltung – irgendwo zwischen selbstbewusst und großmäulig – kam in großen Teilen der Netzgemeinde nicht gut an. Sich hinstellen und zu sagen, dass der Online-Journalismus kaputt sei und die Krautreporter den einzigen Ausweg aus der Krise böten, ist schon recht größenwahnsinnig. Damit haben sie sicherlich vielen Menschen auf die Füße getreten und vor den Kopf gestoßen.
Aber geschenkt. Ich mochte auch immer OASIS. Und warum sich eigentlich nicht hinstellen und sagen: Ich bin der Beste, ich kann es am besten.
Statt der Grundidee eine Chance zu geben, begannen viele Leute aus der Netzgemeinde aber jedes Haar in der Krautsuppe zu suchen: Zu wenig Frauen im Redaktionsteam, zu wenig Migrationshintergrund im Redaktionsteam, falsches Kampagnenmanagement undundund. Nicht selten mit einem zwischenzeiligen Unterton, dass man es selbst ja viel besser gemacht hätte.
Und das kotzt mich dann schon so ein klein wenig an.
Denn die Kritiker haben es eben nicht gemacht. Vielleicht fehlte ihnen die Idee, vielleicht ein paar Eier in der Hose, vielleicht die Vision oder einfach die Portion Größenwahn.
Aber Kritik zu äußern ist so herrlich einfach.
Ja, es mögen zu wenige Frauen im Redaktionsteam sein.
Und ja, Reportagen und Hintergründe aus dem Nahen Osten von einem Journalisten mit persischem Hintergrund fände ich ebenfalls sehr, sehr geil.
Und was die Kampagne angeht: lief wirklich nicht supi.
Trotzdem halte ich die Idee und den Kern der Sache für so großartig und den Mitgliedsbeitrag für so lächerlich, dass ich den Kollegen gern einen Vertrauensvorschuss gebe. Wie oft werden die neuesten Devices von Apple, Samsung und Co vorbestellt, ohne genaues Wissen über das Produkt. Shut up and take my money, heißt es dann so schön selbstironisch-distanziert.
Ich wünschte den Krautreportern ähnlich vertrauensvolle Fanboys.
Im schlimmsten Fall, bezahle ich 60 Euro für eine Jahresmitgliedschaft und bemerke nach ein paar Stories, dass der Größenwahn der Krautreporter nicht berechtigt ist – geschenkt! Dann haben sie es einfach verkackt.
Aber diese Chance gebe ich ihnen.

Und jetzt: Shut up and take my money.

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