Inselbegabt

IMG_20140711_212930So, zwei Wochen Urlaub sind vorbei – wie immer ging die Zeit viel zu schnell um. Wie immer hatte ich mir viel vorgenommen: am Auto rumschrauben, in der Wohnung rumschrauben, das Arbeitszimmer aufräumen, Akten sortieren, den Garten ultimativ schön machen, nebenbei viel lesen, schreiben, sowas halt.
Hat natürlich nicht geklappt. Klappt ja nie.
Die erste Urlaubswoche verbrachten die beste Ehefrau und ich auf Norderney und sind jetzt schwer verliebt. Ineinander sowieso, aber auch in die Insel. So schön, so ruhig, so lebendig, so alles. Das war schon ein ganz besonderer Urlaub und ich denke, nein ich weiß, dass wir bestimmt sehr bald wieder dort sein werden.
Ist ja nicht so, dass ich noch nie in meinem Leben auf einer Insel war. Auf Korsika und Sardinien verbrachte ich wundervolle Urlaube, auf Rügen war ich mal während meiner Tischlerlehre vor 100 Jahren für ein paar Wochen an einem Hotelausbau beteiligt. Die Schnittstelle zwischen Land und Meer ist mir also nicht fremd.
Trotzdem ist mir erst auf Norderney klar geworden, wie fantastisch das alles ist. Und auch wie gut das alles zu mir passt. Ein überschaubares Fleckchen Erde, ein paar Kilometer lang, ein paar Hundert Meter breit – da freut sich doch der kleine Autist in mir. Man kann nicht verloren gehen, auf einer Insel, nichts bleibt lange fremd, schnell erläuft man sich Straßen, Dünen und Häuser.
Außerdem kann man am Strand sitzen und auf das Meer schauen. Die Weite, der Horizont, Unendlichkeit. Das findet dann der Träumer im mir super und will am liebsten den ganzen Horizont mit Worten und Texten füllen.
Mein schönster Moment dort: Ich laufe zwei Stunden im strömenden Regen und bei gefühlter Windstärke 27 den Strand entlang. Vor lauter Brandungslärm und Windrauschen in der Kapuze verstehe ich kaum meine eigenen Gedanken. Vereinzelt kommt mir ein Mensch entgegen, der ähnlich bekloppt ist wie ich. Ich bin nass bis auf die Knochen. Trotzdem: Die ganze Zeit grinse ich debil, lächle Menschen an, Hunde, Möwen, das Meer, den Himmel. Und ich weiß: Insel kann ich.
Kann ganz schön einfach sein: leben.
IMG_20140713_095250Die zweite Woche war dann sehr, sehr aufregend, schließlich wird man nicht alle Tage Weltmeister. Und stressig war sie, vollgepackt mit vielen Terminen, die erst ganz kurzfristig zustande kamen. Vollgepackt mit Gedankenarbeit. Vollgepackt mit Plänen für das kommende halbe Jahr.
Die Liste der Sachen, die ich erledigen wollte: längst nicht abgearbeitet. Aber das klappt ja nie.

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Ein Gedanke zu “Inselbegabt

  1. Ach Gott, ich merke, diesen Zustand auf der Insel, dieses Durchnässtwerden bis auf die Haut, nicht mehr denken können, denken müssen vor lauter Brandung, sich selbst darin vergessen. Wie schön!
    Ich habe es noch nie erlebt, außer die Brandung hier am Schreibtisch, hat aber wenig mit Selbstvergessenheit zu tun!

    Fritzi Hasehase, mit gaaaaanz lieben Grüßen, auch an Deine beste Ehefrau

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