Einen Laptop kaufen wollen und verzweifeln

„Gitarrenhändler, ihr seid Schweine, Gitarrenhändler ich verachte euch zutiefst“
Tocotronic

Ich weiß nicht genau, aus welchen Gründen sich die Band Tocotronic Mitte der 1990er-Jahre zu jener Textzeile hinreißen ließ, aber seit meinem Geburtstag vor gut anderthalb Wochen habe ich zumindest eine Ahnung, wie sich so etwas entwickeln kann. Es folgt eine kleine Geschichte voller Verzweiflung, enttäuschter Liebe und Hoffnungslosigkeit. Hauptakteure sind der Mediamarkt, HP, Asus sowie Medion. In Nebenrollen treten aber auch Saturn, Berlet, ein paar namenlose Verkäufer sowie das Biest im Hintergrund namens Windows 10 auf.

At the beginning … Zweifel
Zuerst war da die Verunsicherung der besten Ehefrau. „Schatz, wir müssen reden. Ich bin total unsicher, was ich dir zum Geburtstag schenken soll“, sagte sie. „Eigentlich soll es ja eine Überraschung sein, aber ich kann das echt nicht entscheiden. Sag doch auch mal was dazu!“ tablet-1075790_1920„Was soll ich dazu sagen? Schenk mir, was du meinst. Oder schenk mir gar nichts. Ist mir alles recht“, sagte ich halb im Scherz und spielte den Desinteressierten. Sie schlich – überhaupt nicht zufrieden mit dieser Antwort – durch die Wohnung, grübelte, recherchierte irgendwelche Sachen am Rechner, um mir schließlich ein paar Stunden später zu erklären, dass sie mir gern zum Geburtstag ein Tablet schenken wolle. Allerdings sei sie sich überhaupt nicht sicher, ob ich mich darüber freuen würde und was für ein Gerät es sein sollte. Android? Ein iPad? Ein Convertible? 7 Zoll, 8 Zoll, 10 Zoll?
Ich, ungefähr genauso aufgeschmissen und unsicher wie sie, legte mich dann nach einigen Stunden des gemeinsamen Abwägens fest: Kein Tablet sollte es werden, nein, ein neuer Laptop musste her. Eine durch und durch vernunftgeleitete Entscheidung.
Heute, knapp zwei Wochen später, weiß ich: Damit begann der Fall in die dunkelsten Kammern der Hölle …

Glückseligkeit
Am folgenden Tag fuhren wir also los, durchstöberten verschiedene Abteilungen bei Saturn und Mediamarkt und ich entschied mich schließlich für einen wunderhübsch anzuschauenden HP-Rechner. Ich glaube es war dieser hier. So schön, so toll ausgestattet, was würde ich auf diesem Gerät für großartige Texte schreiben können. Alles, alles würde nun viel besser werden. Mein Leben, meine Texte, ja die Welt sogar.

Der Geburtstag
Die Nacht vor meinem Geburtstag war kurz. Um 0.00 Uhr stießen wir an, ich packte den HP-Rechner aus, tat ganz überrascht und freute mich ehrlich wie ein Schneekönig. Nachdem ich die beste Ehefrau ins Bett gebracht hatte, setzte ich mich hin, klickte mich durch die Erstinstallation von Windows und begann die rund 150 Gigabyte an Musik auf den neuen Rechner zu schieben. Nebenbei installierte ich noch ein paar Programme wie Thunderbird und Firefox, schob ca. 2.000 E-Mails aus vier verschiedenen Postfächern auf den neuen Rechner und ging erst ins Bett, als es draußen zu dämmern begann.candles-1017709_1920 Das erste Ärgernis folgte am kommenden Tag: Immer, wenn ich mit Firefox ein Youtube-Video ansehen wollte, folgte der Totalabsturz. Nix ging mehr, eingefrorener Bildschirm, begleitet von einem fiesen Brummton. Die einzige Chance: hartes Runterfahren über den Power-Knopf. Da sowohl Internetexplorer als auch Edge diesen Fehler nicht verursachten, verabschiedete ich mich von Firefox, googelte ein wenig und las viel über die diversen Probleme, die Windows 10 in Kombination mit Flash verursacht. Also Bookmarks, Logins, etc. in den Internetexplorer gepackt und Firefox deinstalliert. Der hübsche Rechner und ich hatten anscheinend nicht den besten Start, aber ab jetzt würde alles reibungslos funktionieren, dessen war ich mir sicher.

Zumindest war ich mir dessen so lange sicher, bis der HP erstmals selbstständig und völlig unmotiviert runterfuhr. Schwarzer Bildschirm, zack, aus. „Huch“, dachte ich, „huch, da bin ich wohl an den Power-Knopf gekommen“. Nur wenige Stunden später wurde mir klar, dass ich nicht an den Power-Knopf gekommen war, denn diesmal fuhr der Rechner einfach so runter …, ohne dass ich überhaupt in der Nähe war. „Vielleicht nur ein Update und der übliche Neustart“, flehte ich innerlich. Doch nein, der HP, dieser wunderschöne HP, fuhr in den folgenden zwei Tagen noch häufiger runter. Einfach so, ohne irgendetwas. „Ich tausche den morgen um“ sagte ich der besten Ehefrau etwas zerknirscht. „Hätte ich dir mal lieber ein Tablet geschenkt“, antwortete sie.

Umtausch eins
Dass das Zurücksetzen eines neuen Laptops ungefähr einen halben Tag dauert, wusste ich bis vor einigen Tagen nicht. Jetzt schon.
Es war später Nachmittag geworden, als ich mit dem HP beim Mediamarkt am Serviceschalter stand und ihn umtauschte. Für blitzgescheit hielt ich mich, als ich folgender Argumentation in meinem Kopf folgte: „Bevor du mit dem gleichen Modell wieder so einen Stress hast, weil vielleicht die ganze Lieferung scheiße produziert wurde, suche dir lieber einen anderen aus. In dieser Preisklasse stehen ja genug Rechner rum. Und für deine Anforderungen sind die eh alle mehr als ausreichend ausgestattet.“

Umtausch zwei
Was für eine unglaublich bescheuerte Idee! Ich entschied mich für einen Asus, natürlich nicht so hübsch wie der HP, sondern grau und eckig, wie ein Laptop halt so aussieht. Aber ich bin ja ein sehr vernünftiger Mensch und ein Rechner in meinen Händen soll ja vor allen Dingen eines: seinen verdammten Dienst tun.
Zuhause packte ich das Gerät aus, klickte mich durch die Erstinstallation von Windows 10 und packte den Rechner anschließend wieder ein. Das Touchpad klapperte ungefähr so als hätte jemand damit 20 Jahre lang auf ukrainischen Schotterpisten bei Tempo 150 gearbeitet. „Den tausche ich morgen auch um“ sagte ich der besten Ehefrau frustriert. „Hätte ich dir mal lieber ein Tablet geschenkt“, antwortete sie.
Der Umtausch bei Mediamarkt war problemlos, auch wenn der nette Herr hinterm Schalter sich den Hinweis „Haben Sie das Touchpad denn auch aktiviert?“, getrost hätte sparen können.

Eine neue Liebe
Ich durchsuchte weitere Läden, erlebte Verkäufer, die während des Verkaufsgesprächs mal eben kurz auf ihrem Handy whatsappten, die schweigend neben mir standen oder die mir allen Ernstes rieten, doch einfach mal im Netz zu schauen, was es da so für Modelle gäbe. Und dabei brauche ich ja gar keine Wundermaschine, meine Anforderungen waren stets: gute Tastatur, optisches Laufwerk, matter Bildschirm, Tasten am Touchpad, Ende. Scheint wohl nicht das beliebteste Anforderungspaket zu sein, denn viel zeigen konnte man mir nie.

„Du bist doch morgen in Essen, fahr doch mal beim Medion-Fabrikverkauf vorbei, vielleicht findest du ja dort was“, sagte die beste Ehefrau zu mir und ja, ich fand die Idee großartig. Schließlich war mein erster Laptop vor sieben oder acht Jahren ein Aldi-Modell gewesen und er tut noch heute – mit neuem Akku und neuer Tastatur – gute Dienste in den Händen der Ehefrau. (Sparsam und bescheiden … – nicht authorisierte Anmerkung der lektorierenden b. E.)
Ich also nach Essen und … bämm … verliebte ich mich sofort in so ein kleines, silbernes 14-Zoll-Gerät. Etwas schwach auf der Brust, aber so niedlich, so preiswert und allemal für meine Bedürfnisse ausreichend.

Daheim klickte ich mich durch die Erstinstallation von Windows 10, installierte Thunderbird, importiere rund 2.000 Mails, schob 150 Gigabyte Musik durch … Sie kennen es. Gelöst beruhigte ich die sichtlich angespannte Ehefrau: „Der ist klasse, der ist wirklich genau das, was ich gesucht habe.“

Das war Freitagabend.
Heute ist Sonntagabend.
UND ICH BIN KURZ DAVOR DIESES TEIL EINFACH AN DIE WAND ZU NAGELN. Mit einem dicken Nagel durch den Bildschirm direkt an die Wand. Wo es unseren Besuchern als ewige Mahnung dienen kann. Und darunter werde ich ein Schild hängen: „Kauft euch niemals einen neuen Laptop. An diesem Vorhaben werdet ihr scheitern, es wird euch zerbrechen. Ihr werdet euch auflösen in Ärger, Frustration. Und dem Hinweis: Resetting this PC 99%.“IMG_20160124_181823
Das wird auf dem Schild stehen.
Um es kurz zu machen: Das Touchpad macht Probleme. Ganz plötzlich. Es ist ungenau, ruckelt und zittert, als hätte es Angst vor mir. HA! ANGST VOR MIR?? Da sich dieses Phänomen aber keinesfalls von Anfang an zeigte, sondern wohl durch irgendein Windows-Update hervorgerufen wurde, probiere ich seit etwa zehn Stunden die diversen Tipps und Tricks aus, die sich im Netz so finden lassen. Also Treiber neu installieren, Gerät neu installieren, andere Treiber nehmen, Windows unter Beibehaltung der eigenen Dateien zurücksetzten und so weiter.
Hat alles nichts geholfen.
Stand jetzt: Komplett zurücksetzen und mit einigen Tricks das Windows-Update deaktivieren.
Wenn das nicht hinhaut, nagle ich das Ding einfach an die Wand. „Hättest du mir mal ein Tablet geschenkt“, habe ich gerade zur Ehefrau gesagt.
Jetzt sag‘ ich nix mehr.

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3 Gedanken zu “Einen Laptop kaufen wollen und verzweifeln

  1. moin,

    ich bin durch die Blogparade auf dieses Blog aufmerksam geworden und muss bei diesem Beitrag über den Laptop-Fluch lachen und weinen. Zur gleichen Zeit natürlich. Lachen, weil es schon eine recht amüsante Vorstellung ist, wie das arme Gerät aus einer Montagsproduktion demnächst als mahnendes Objekt des Hasses direkt im Hausflur die Wand ziert und die Besucher begrüßt. Lachen, weil dein/Ihr Schreibstil herrlich ist. Lachen, weil Schadenfreude meiner Meinung nach bis zu einem gewissen Grad nicht verwerflich ist.
    Weinen, weil mein Laptop, seines Zeichens ein 17-Zoller von Toshiba im biblischen Alter von 9 Jahren, grad von einem Bekannten zurückkam, der es mal „plattmachen/aufräumen“ sollte. Das Gute Stück war sooooo langsam, wurde tierisch heiß und der Akku hielt ohne Netzanschluss keine Stunde mehr.
    Jetzt isser wieder zu Hause, hat ein neueres Windows drauf, die Festplatte ist vergleichsweise leer, schneller isser aber nicht geworden, heiß wird er immer noch (obwohl ich mal den Lüfter freigelegt habe *hüstel*) und das Schlimmste ist: der Akku wird nun gar nicht mehr geladen, ohne Netzbetrieb also kein Laptop. Es müsste ein Neuer her. Finanziell wird das grad eh eine Herausforderung, wenn ich aber deine/Ihre Odyssee hier nachlese, wird mein Läppi wohl noch ein paar Jahre am Strom hängen müssen.
    Mich ergreift grad eine leichte Panik, ich bräuchte mal bitte eine Papiertüte!!!

    (btw. mit ner Blogparade kann ich auch dienen, meiner ersten. Und bei der hier mache ich vielleicht mit, wenn ich mein Lieblingsteil wiederfinde *hüstel*)

    • Hallo mutterchaos,
      ja man soll schon bei der Geschichte lachen. Kann ich inzwischen auch wieder. Und der kleine Medion und ich … wir freunden uns langsam an.
      Ich drücke fest die Daumen und freue mich auf deinen Beitrag zur Blogparade. Bin sehr gespannt auf dein Lieblingsteil.

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