Zurück im Leben

Schöne Aussicht

Kurz vor dem Jahreswechsel schreibe ich hier noch meinen obligatorischen Jahresrückblick. Passt ja in diesem Jahr noch besser als sonst, schließlich kam ich vor genau einer Woche aus meiner psychosomatischen Reha zurück, habe die Feiertage irgendwie rumbekommen und kann jetzt mit vielen neuen Erkenntnissen, Gedanken und Ideen ins kommende Jahr starten. Und als Abschluss für ein langes und ereignisreiches Jahr mit vielen Highs und leider noch mehr Downs, ist so ein kleiner Rückblick erlaubt.

2019 aufregend, speziell die erste Jahreshälfte. Ich war an einem tollen Projekt beteiligt, in dem der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln, Jochen Brühl, eine ganze Reihe von interessanten Menschen traf und sich lange mit ihnen unterhielt. Über Lebensmittelverschwendung, Armut, Ehrenamt, die Zukunft, die Medien, unsere Gesellschaft und die Verantwortung, die jeder Einzelne übernehmen kann. Aus diesen Gesprächen entstand das Debattenbuch „Volle Tonne, leere Teller“ (mein Part) und ich kann es euch wärmstens ans Herz legen. Zwischen den Buchdeckeln stecken jede Menge Schweiß und Arbeit, rund 7.000 Kilometer Rumgefahre durch Deutschland, tolle Fotos und vielleicht die Erkenntnis, dass die Welt nicht so einfach ist, wie sie sich manche Menschen gern machen.

Dann mussten wir leider direkt am Anfang des Jahres – um meinen Geburtstag herum – nach fast 17 gemeinsamen Jahren unseren Kater einschläfern lassen. Mit solch einer Scheiße ins neue Jahr zu starten braucht kein Mensch. Der Dicke liegt jetzt im Garten unterm Sommerflieder und das Kreuz aus Fliederabschnitten trieb im Sommer neu aus. Vielleicht ein Zeichen, dass der Tod nicht ganz das letzte Wort hat. Im Leben.

Nach dem Tafel-Projekt war dann leider bei mir die Luft raus. Arbeit und Projekte zogen sich wie Kaugummi, das Sofa war meine Insel der Glückseligkeit und ich weiß jetzt, dass man nachts zehn Stunden schlafen kann und trotzdem am Tag nach einfachsten Tätigkeiten wie „Spülmaschine aus- oder einräumen“ wieder ausgepowert aufs Sofa muss. Zwischen 22.00 Uhr und 4.00 Uhr in der Früh: Netflix und Kippen ohne Ende und Rotwein ohne Ende – irgendwie muss man ja einschlafen können. Meine Tagesstruktur: zermahlen zwischen Frust und Panik und Selbstvorwürfen und Zweifeln und Unvermögen.

Es gab aber auch immer wieder Highlights, die mich kurzfristig aufheiterten. Die verschiedenen Lesungen mit Ursula und unseren „ZweiSichten“ waren allesamt schön und inspirierend. Es ist so spannend zu sehen, was Menschen aus unseren Texten rausziehen, ja, was unsere Texte bewirken. Und – juhuuu – gegen Ende des Jahres ging unser Buch in die zweite Auflage. Ein wirklich schöner Erfolg für den adeo-Verlag und uns Newcomer-Autoren. Und auch über ein Jahr nach der Veröffentlichung befinden sich unsere „ZweiSichten“ noch in den Top 10-Sellern des Verlags.

Ein Abenteuer
Tja und dann kam die Reha. Ein wirklich großes Abenteuer für mich. Fünf, bzw. sechs Wochen in der Ferne, weg von Frau und gewohnter Umgebung, allein unter mir fremden Menschen. Und das alles kurz vor Weihnachten. Einzeltherapie, Gruppentherapie, Ergo- und Kunsttherapie, dazu therapeutisches Boxen, Wandern, Stretching, Entspannungseinheiten und Imaginationsübungen.

Boxen hilft!

Nun, was soll ich sagen, die Reha war super. Ich habe festgestellt, dass ich ein soziales Wesen bin und andere Menschen nicht zwingend doof sein müssen. Ich habe Gespräche geführt, gespielt und gar nicht einmal so wenig gelacht. Und das, liebe Leute, das ist etwas, von dem ich selbst überrascht bin. Außerdem habe ich wieder etwas Struktur gewonnen. Die Tage beginnen für mich momentan so um 7.00 Uhr rum und irgendwann um kurz nach zwölf bin ich abends dann auch im Bett verschwunden. Völlig crazy und etwas, das ich nicht für möglich gehalten hätte.


Und sonst so?

Auch im kommenden Jahr werden Ursula und ich mit unseren ZweiSichten unterwegs sein – in Tübingen, in Lünen, in Eisenach und wo immer man uns einlädt. Das wird ein Spaß. Ein anderes Projekt – superspannend und superabgefahren – könnte realisiert werden. Und dann sind da noch die ZweiSichten 2.0, die ja auch irgendwann mal angegriffen werden müssen. Bis die erscheinen wird es allerdings 2021 sein.

In diesem Sinne: Kommt alle gut ins neue Jahr, nehmt euch Zeit für euch und einander, lebt, liebt, lacht, genießt die Sonne, arbeitet nicht so viel und falls euch die Decke auf den Kopf fällt – geht zu einem Arzt oder einem Therapeuten. Jeder hat das Recht auf ein Leben, das mehr ist als ein Überleben. Hab ich auch gelernt.

Tätowierter Reminder

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.