Texte von früher: wege

Hab mal wieder etwas gefunden. Auf der Festplatte. In irgendwelchen Ordnern. Ganz weit hinten.

Das Gedicht konnte ich – aufgrund der Formatierung – leider nicht als Text hier einstellen. Das muss genauso aussehen. Jedes Leerzeichen und jeder Absatz sind durchdacht.

Falls ihr euch jetzt fragt, wie man den Text liest:
Ja!
Viel Spaß. Verlauft euch darin.

Alben fürs Leben: XOXO von Casper

Neulich schrieb ich ja einen kleinen Artikel über ein Album, dass mich sehr stark geprägt hat. Eigentlich war er nur als Replik auf einen Beitrag bei Mobilegeeks gedacht, in dem es darum ging, dass die Geschichten, warum uns gewisse Platten oder Songs so sehr berühren, oft viel zu kurz kommen.

Auf jeden Fall hat mir das Schwelgen in Erinnerungen so gut gefallen, dass ich da gern weitermachen möchte und euch erneut etwas über eines meiner absoluten Lieblingsalben zu erzählen. Heute soll es um Casper gehen.

Es muss irgendwann 2011 gewesen sein, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wie ich erstmalig auf Casper aufmerksam wurde. Wahrscheinlich ist, dass ich irgendwo im Netz irgendetwas las und ich mir deshalb das Album XOXO bestellte. 2011 war ich Ende 30, verheiratet und lebte mit der Ehefrau in einer schönen Wohnung in Dortmund-Hörde. Mein Weg zur Agentur, in der ich mein Redaktionsvolontariat gemacht hatte und als Redakteur angestellt war, betrug keine drei Kilometer Luftlinie. Wir hatten einen Schrebergarten und vielleicht war nicht immer alles nur schlecht, damals. Ich hatte mich in dieses Erwachsenenleben eingerichtet. So, wie viele andere auch. Zwar zwickte dieses eingerichtete Leben immer ein wenig – so wie ein Splitter, der kaum sichtbar aber mehr oder weniger ständig spürbar ist – aber so muss es halt sein, dachte ich.

Und dann schob ich irgendwann die frisch gekaufte CD in den Player und sie ballerte mich weg. Bereits der bombastische zweiteilige Opener Der Druck steigt (Die Vergessenen Pt. 1)/Blut sehen (Die Vergessenen Pt. 2) schrie mir das Elend meiner Generation ins Gesicht. Wir scheitern immer schöner, sind Versager mit StilTragen schwarz jeden Tag bis es was dunkleres gibt oder auch Gibt eh nicht mehr viel zu verlieren fassten meine Stimmung in die passenden Zeilen. Worte wie Faustschläge. Mitten in die Fresse.

Das ganze Album ist ein Sammelsurium von Zitaten. Und obwohl Casper durchaus einen Rap-Hintergrund hat und dieses Album irgendwie auch als Rap durchgehen kann, sind viele dieser Zitate aus der Popkultur, dem Indie- und Rock-Bereich: The Smiths, Joy Division, Coldplay, Thees Uhlmann, Nirvana oder auch Quentin Tarantino tauchen auf.

Umso erstaunter war ich, als ich ein paar Monate später auf ein Konzert ging und in der Einlassschlange von 15-jährigen Mädels umgeben war? Ich frage mich noch heute, was sie an dieser Musik und an diesen Texten finden, die sich vielfach um den Verlust der Jugend, um Alltag, Miete, Kita-Platz, 9to5-Job und um verlorene Träume drehen. Weit weniger erstaunt hat mich dann die Tatsache, dass einiger meiner alten Wave- und Gothic-Freunde ebenfalls auf dieses Album abfuhren. Casper hatte wirklich die Sprache einer Generation getroffen. Einer Generation, die irgendwie im Leben steht und genau darunter leidet.

Highlights gibt es wenige – das ganze Album ist ein kompaktes Juwel. Mir fallen wirklich wenig Alben ein, die in ihrer Gesamtheit so monolithisch gut sind – vielleicht Disintegration von The Cure, vielleicht A rush of blood to he head von Coldplay, vielleicht die Alben von Portishead.

Casper hat seitdem zwei weitere Alben rausgehauen, die mich leider nicht mehr abholten und auch objektiv nicht an die Qualitäten von XOXO heranreichten. Hinterland kam 2013 auf den Markt und das war dann das Album für die 15-jährigen Mädchen. Mit viel Chören und Schallalaaahh und uuhhhooohh und so. Vier Jahre später erschien Lang lebe der Tod, featuring Blixa Bargeld, Drangsal, Sizarr. Hätte was geben können. Einige Lieder, wie etwa der Titelsong, sind wirklich toll, aber irgendwie wirkt die Platte auf mich zu zerstückelt. Als hätte der Casper nicht so recht gewusst, wo er eigentlich hinwollte, damals Mitter der Zehnerjahre. Aber vielleicht ist das gerade auch wieder ein Symptom der Zehnerjahre.

In diesem Sinne: Depression war nie tragbar, doch steht uns so gut