Montagskolumne? Joa

Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten wirklich mehrfach versucht einen Blogartikel zu schreiben. Und habe es mehrfach wieder sein lassen. Ich hatte einfach keine Lust, keine Zeit und auch kein wirkliches Thema. Wenn ich ganz ehrlich bin – ich hatte sogar einen richtigen Widerwillen.

Und jetzt merke ich, dass ich gar nicht so richtig Bock aufs Bloggen habe. Auch Tagebuchschreiben geht momentan kaum. Paradox dabei: Ich bin eigentlich voll mit Gedanken und Gefühlen, aber ich schaffe es nicht, sie in Sprache zu übersetzen.

Was ist also in den vergangenen Wochen alles passiert? So gottverdammt viel, dass ich fünf Artikel schreiben könnte:

Ich wurde von einer Agentur angeschrieben, angeworben und werde ab August wieder halbtags zusammen mit Menschen in einem Büro sitzen, Webseiten betexten und sonstigen Kram im Internet machen. Content Manager heißt es auf neudeutsch. Sachen ins Internet schreiben nenne ich es. Überzeugt haben mich vor allen Dingen die schöne Atmosphäre in dem Laden, wie geil ausgestattet die Arbeitsplätze sind, die Stimmung im Team und ein wirklich authentisches Bekenntnis zur Diversity. Da arbeiten jung und alt nebeneinander, diverse Nationalitäten, Tätowierte, Dreadlockträger und Menschen im seriösen Business-Outfit. Nach Kennenlerntermin, einem Probearbeitstag (den die Agentur nicht gebraucht hätte), diversen Telefonaten und der Vertragsunterzeichnung habe ich das Gefühl, dass die nicht nur einen x-beliebigen Schreiber suchen, sondern an mir, meiner Persönlichkeit und all dem, was ich mitbringe, interessiert sind. Voll schön fühlt sich das an.

Halbtags war mir wichtig, damit ich meinen anderen Kram weiter machen kann: die Ghostwritings, mein Mietermagazin, die einzweidrei lieben Premiumkunden unterstützen, mit denen ich in den vergangenen Jahren schon viele Projekte und Aufträge gewuppt habe. Ich bin also ab August nur noch ein halber Freiberufler und dafür aber auch ein halber Angestellter. Das Beste aus beiden Welten sozusagen. Denn ohne Scheiß: Zweieinhalb Jahre Pandemie als Soloselbstständiger waren vor allen Dingen sehr, sehr einsam. Bücher schreiben – selbst wenn man es für andere Menschen macht – ist nicht gerade der kommunikativste Job.

Ich freue mich also auf August und die Tatsache, dass ich dann endlich mal wieder im Team arbeiten kann. Mit Menschen, an einem Arbeitsplatz, der nicht im eigenen Haus ist und mit Hosen an den Beinen. Muffensausen habe ich aber auch. Werde ich das alles hinkriegen? Die Erwartungen erfüllen? Mich mit Bock in die Projekte schmeißen? Drückt mal die Daumen, dass mir das alles gelingen wird. Da sind nach der letzten Agentur in Essen noch ein paar korrigierende Erfahrungen, die ich zu machen habe.

Zusätzlich schreibe ich gerade wie bescheuert an einem aktuellen Ghostwriting, das Mitte November fertiggestellt sein muss. Tolle (Lebens-)geschichte eines tollen Menschen.  Macht Spaß. Ist aber viel Arbeit!

Immerhin konnte ich drei Wochen lang die Nordseeluft auf Ameland genießen. Am Meer ist das Leben ja immer etwas weiter, freier, luftiger und leichter. Das Wetter war gut und ich „habe ein bisschen Farbe bekommen“. Auch dort habe ich aber natürlich gearbeitet und ne ganze Menge geschafft.

Facebook macht mir immer noch keinen Spaß, nicht die Themen, nicht die Menschen, nicht die Hahaha-Smileys, nicht die Wutwichser, nicht die tolldreisten Kommentare von „Liberalen“, was ja eigentlich nur noch ein Synonym für „egoistische Querdenker, die eigentlich AFD wählen wollen, aber noch Resthirnfunktionen besitzen und ahnen, dass das gesellschaftlich nicht so geil kommt“ ist.

Dafür habe ich irgendwann neulich angefangen zu malen. Und dann vergessen aufzuhören. Albtraumscheiße, Traumabilder, farbige Wutausbrüche.

Keine Ahnung, was ich damit anfangen soll – aber raus muss es. Alles muss raus im Sommerschlussverkauf der Traumafolgestörungen.

Soweit, so gut. So what?

Mehr ist gerade nicht. Kommt gut durch den Sommer, steckt euch nicht mit den ominösen Atemwegskrankheiten an, die gerade überall rumgeistern, die aber natürlich NICHT Covid 19 sind und lasst euch die Sonne ins Gesicht bruzzeln. Ist gut fürs Vitamin D. Und wer Bock hat, drückt mir in der kommenden Woche mal die Daumen für meinen neuen Job.

Countdown zum Jahresende: 17

Heute nach anderthalb Wochen wieder Therapietag. Muss man auch erstmal wieder ein wenig reinkommen. Da ich aber immer noch sehr euphorisch über meine sich normalisierenden Puls- und Blutdruckwerte war, ging das ganz gut und ein Einstieg in die Sitzung war schnell gefunden.

Und weil es jetzt ganz gut beim Thema „Psychoanalyse“ reinpasst ein kleiner TV/Netflix-Tipp. Schaut mal in „Freud“ rein. Eine ziemlich ungewöhnliche Mystery-/Thrillerserie, die in Kooperation von ORF und Netflix entstand und eine fiktive Thrillerhandlung um den ollen Sigmund Freud zusammengeschruppt hat. Auch nach sieben Folgen bin ich noch etwas hin- und hergerissen. Einerseits packen mir die Macher zu sehr in die Klischeekiste und zaubern vieles hervor, das man auch schon in Serien wie Babylon Berlin gesehen hat und von dem man anscheinend meint, dass das irgendwie in die Zeit der Jahrhundertwende passen täte. Also opulent ausgestattete Salons, Séancen mit einem hysterischen Medium, jede Menge Koks, ein paar Straßenhuren, sowas halt. Auf der anderen Seite ist die Serie sehr stimmig, wenn man sie auf den Namensgeber bezieht. Das Dunkle, das Unbewusste, Trieb, Trauma, Dissoziation, all das wird sehr toll in teilweise wunderschön surreale Bilder gepackt. In manchen Momenten erinnert mich die Serie an ein paar Filme von Dario Argento: quietschbunte Bilder, ungewöhnliche Kameraeinstellungen, alles ein wenig artifiziell und fancy. Und wenn man die Serie als Albtraum versteht, der ja auch seine ganz eigene Logik besitzt und sich einen Dreck um Naturgesetze, Zeit und Raum schert, dann funktioniert die Serie echt gut. Schaut mal rein, wenn ihr mögt.

Freitag habe ich mir übrigens einen Boostertermin gesichert. Wobei dies hier in Witten echt kein großes Problem ist, das läuft eigentlich im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis sehr, sehr vorbildlich. Es gibt den Impfbus, der täglich irgendwo durch den Kreis tingelt, es gibt lokale Angebote, selbst in Kirchen wird jetzt geimpft und es gibt die Hausärzte, die wirklich außergewöhnliches leisten, in diesen Tagen. Ich fahre jetzt direkt zum Impfzentrum des Kreises, wo es so geil organisiert ist, dass die Termine im 4-Minuten-Takt vergeben werden. Mein Zeitfenster: 14.56 bis 15.00 Uhr. Ich habe dann zwar erst vier Monate und drei Wochen seit meiner zweiten Impfe rumgekriegt, aber nachdem NRW ja seit gestern jeden wegboostert, der vier Wochen (!) rum hat, denke ich, dass ich mit meinen knapp fünf Monaten ganz gut dabei bin. Und es erleichtert ein wenig das Treffen mit der Familie zu Weihnachten.

Krass, dass nächste Woche schon die Weihnachtswoche beginnt. Mir ist in diesem Jahr ja so gar nicht weihnachtlich zumute. Letztes Jahr auch schon nicht. Und vor zwei Jahren war es eh superspeziell, weil ich an Heiligabend erst aus der Reha kam und ich einen schönen Heiligabend mit der besten Ehefrau verbrachte, die ich sieben Wochen lang nicht gesehen hatte. Aber nun gut, es ist, wie es ist. Und vielleicht wird das kommende Jahr ja wirklich besser. Das würde ich mir – und uns allen – wünschen. Leute umarmen, keinen Abstand halten – zumindest bei den Menschen, die man mag – maskenfrei in den Supermarkt, mal wieder tanzen, mal wieder ein Konzert, mal wieder ausgelassen sein.

Immerhin: Der Sommerurlaub auf Ameland ist reserviert und nochmal um eine Woche verschoben worden, damit wir zur Hochzeit einer lieben Freundin nach Hamburg fahren können. Oh, wie ich mich auf die Insel freue. Drei Wochen Wind und Sand und Meer und hoffentlich Sonne und Kibbeling und nichts sonst.

Wisst ihr, wohin ich auch auf jeden Fall noch einmal möchte: nach Island. Da gibt es so viel Landschaft, so wenig Menschen, und die, die es dort gibt sind glaube ich cool. Allein schon, weil sie solch einen abgefahrenen Shit machen. Falls ihr 24 Stunden Zeit habt, könnt ihr zur Musik von Sigur Ros einmal auf der Ringstraße über 1.332 km die Insel umrunden.

Mit diesen schönen Bildern entlasse ich euch in den Abend. Bleibt lieb und träumt toll. Bis morgen.