Countdown zum Jahresende: Geschafft

Heute ist Silvester. Heute endet meine vollkommen bescheuerte Idee, 60 Tage lang auf diesen Tag hinzuschreiben. Jetzt ist er da, der letzte Tag des Jahres 2021 Und ich werde ihn ebenso ruhig und unsozial begehen, wie viele andere Tage in diesem Jahr, in diesem Leben. Die beste Ehefrau und ich werden nachher Raclette machen – und damit ist auch klar, was es morgen, am Neujahrstag geben wird – Raclette nämlich. Ansonsten werden wir es uns gemütlich machen und vielleicht um 0.00 Uhr einmal kurz aus dem Fenster schauen, wobei das Feuerwerk in diesem Jahr ja erneut recht sparsam ausfallen wird. Weitere Pläne gibt es für diesen Tag nicht. Pläne gibt es nur für das kommende Jahr.

Den Tag über werden wir noch ein wenig das Haus aufräumen und alles sauber machen, weil es uns beiden sehr gefällt, wenn man irgendwie rein und frisch ins neue Jahr geht.

Was ich auch noch mag: Statistiken. Weil sie einem so schön zeigen, was man geschafft hat. Deshalb hier mal ein paar Zahlen. Während des Countdowns zum Jahresende schrieb ich bis gestern 30.723 Wörter ins Internet. Das sind 197.109 Zeichen (inklusive Leerzeichen). Zur Größenordnung: Das ist kein ganzes Buch, aber mehr als ein halbes Buch. Im vergangenen Jahr lief ich durchschnittlich 5.005 Schritte pro Tag. Wobei diese Smartwatches ja nicht unbedingt nur Schritte zählen, sondern Bewegungen allgemein. Ich habe das im Sommer bei der Gartenarbeit sehr doll gemerkt. Da bist du den Tag über im Garten, sägst, gräbst, bohrst und tust. Und am Ende des Tages hast du weit über 10.000 Schritte auf dem Konto, was bei einem Garten von 220 m² eher unwahrscheinlich ist. Aber ist ja egal und eben nicht so, dass ein Tag Gartenmaloche nicht auch die eine oder andere Kalorie verbrennen würde.

Über meine Lieblingsfilme und -serien habe ich ja neulich schon geschrieben. Eine Spotify-Statistik kann ich nicht beisteuern, weil ich Spotify eigentlich nicht nutze. Ich höre Musik meistens über YouTube. Da gibt es keine schönen Statistiken. Gäbe es sie, wären diese Songs hier sicherlich weit vorne in der Jahresliste:

Jupiter Jones mit ihrem Comeback-Song und den schönen Zeilen:

„Die ganze Welt tat weh, ich weiß
Und überall waren Schatten“

Kummer mit dem letzten Song:

„Ich wär‘ gerne voller Zuversicht
Jemand, der voll Hoffnung in die Zukunft blickt
Der es schafft, all das einfach zu ertragen“

Mein Sommerhit war schon etwas älter und stammt von Teddy Teclebrhan:

„Leben, nehm mich auf dein Schoß
Ich weiß, ich bin schon groß
Aber manchmal möchte ich mich einfach fallen lassen“

Der olle Rap-God Moses P. hat es mit einem Onkelz-Sample auch in meine Hits geschafft:

„Und alle Hoffnung, die ich habe, ist ich kämpf dagegen an
Nicht Wochen und nicht Jahre, dieses Menschenleben lang“

Und dann war da noch der bissigste Song des Jahres von Danger Dan:

„Also jetzt mal ganz spekulativ
Ich nutze ganz bewusst lieber den Konjunktiv
Ich schriebe einen Text, der im Konflikt mit dem Gesetz
Behauptet, Gauland sei ein Reptiloid
Und angenommen, der Text gipfelte in einem
Aufruf, die Welt von den Faschisten zu befreien
Und sie zurück in ihre Löcher reinzuprügeln noch und nöcher
Anstatt ihnen Rosen auf den Weg zu streuen“

Und dann war da noch dieses Kirchenlied, was im Soundtrack zu Midnight Mass auftauchte und ein echter Ohrwurm ist. Hat sich letztendlich ja auch Angela Merkel bei ihrem Großen Zapfenstreich gewünscht:

Das war es jetzt aber wirklich von mir für dieses Jahr. Ihr habt es ausgestanden, ich habe durchgehalten. Ich wünsche euch allen ab morgen das beste Jahr von allen, in der besten aller Welten. Bleibt gesund und zuversichtlich, bleibt wach und träumt. Erinnert euch an das Schöne, behaltet liebe Menschen im Herzen und lasst neue Menschen rein in eure Herzen. Bleibt Menschen. Ich bin raus für dieses Jahr. Danke!

Countdown zum Jahresende: 1

Morgen ist Silvester. Mit einem i übrigens, nicht mit einem y. Morgen endet das Jahr und ich denke, das ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen richtigen Jahresrückblick. So mit alles und scharf. Also nehmt euch nen Kaffee und was zu knabbern und folgt mir durch mein 2021.

Auch wenn es jetzt überraschend erscheinen mag, alles in allem war mein 2021 gar nicht so schlecht, wie man meinen könnte, wenn man sich hier durch die Artikel klickt. Ich startete (eigentlich schon im Dezember 2020) meine Therapie und mit dieser bin ich recht stabil durch die vergangenen 12 Monate gekommen. Hätte schlimmer kommen können. Kam es aber nicht, dafür kann ich dankbar sein. Und wenn es so weiter geht, wird es vielleicht alles sogar noch viel besser, die Sache mit dem Selbstwert, dem Urvertrauen, der Depression. Da bin ich zuversichtlich. Wenngleich auch immer noch zu ungeduldig. Ich absolviere einen dreifachen Ironman, aber im Kopf ist da beizeiten noch die Überzeugung, dass ich vielleicht auch mit nem 100-Meter-Sprint ans Ziel komme oder mit einer coolen Abkürzung.  Und überhaupt: Laufen ist ja noch okay. Aber Radfahren? Und Schwimmen? Da komme ich ins Schwimmen, metaphorisch gesprochen. Doch die Abkürzungen haben mich noch nie ans Ziel gebracht. Also weiterlaufen, schwimmen lernen, nicht untergehen und irgendwann dann stolz ins Ziel einlaufen.

Was das Business angeht, war das Jahr auch ganz schön. Gleich zwei Bücher kamen in 2021 auf den Markt, an denen ich als Ghostwriter beteiligt war. Und jetzt am Ende des Jahres, konnte ich schon Sachen fixen, die wahrscheinlich im Frühjahr 2023 in dem Läden sein werden. Ich kann das wohl ganz gut: Anderen Menschen dabei helfen, ihre Geschichte zu erzählen. Und das wird inzwischen auch gesehen und ich bekomme Anfragen und man schätzt das, was ich tue: Zuhören und Gedanken in eine Sprache bringen, die sich schön lesen lässt und die dem Geschichtenerzähler maßgeschneidert passt. Das vergesse ich leider immer noch viel zu oft, wenn all die Abers, destruktiven Selbstbezichtigungen und gemeinen Zweifel ihren Dienst tun und tröpfchenweise meine Seele aushöhlen.

Dabei kann ich eigentlich schon so ein klein wenig was und bringe hin und wieder Sachen zustande, auf die ich wirklich stolz sein kann. Unser Gartenbauprojekt im letzten Sommer Frühjahr und Sommer dreiviertel Jahr hat mir das eindrucksvoll gezeigt. Ich kann Sachen machen und ich muss nicht immer all das glauben, was ich denke. Vor allen Dingen nicht, wenn es die alten selbstsabotierenden Gedanken sind wie „das schaffst du nicht“, „das kannst du nicht“, „das ist viel zu groß für dich“.

Ich kann es halt doch, wenn ich mir eben nicht glaube, wenn ich liebevoll zu mir bin und gutmütig und großherzig und verständnisvoll. Wenn ich mir die Zeit und den Raum gebe, die ich brauche. Manchmal habe ich dann diesen Song im Ohr, mit den tollen Zeilen:

„Und ich lern‘ es wert zu schätzen

Diesen Weg hier zu gehen ist ein Privileg, auch wenn ich es gern‘ vergesse

Ich spreiz‘ Flügel und flieg über den Beat

Bin dankbar, denn der Kampf ist ja dafür was ich lieb“

Toll war auch der Sommerurlaub. Drei Wochen am Stück in den Urlaub zu fahren, hat noch einmal eine ganz andere Qualität. Ich bin ein großer Fan davon geworden, lange Urlaube zu machen. Weil man dann wirklich noch einmal ganz anders in die Entspannung kommt. Ist ja irgendwie so eine Weisheit, die schon unsere Eltern kannten.

Die sind auch eher einmal im Jahr sechs Wochen im Sommer in den Urlaub gefahren, als dass sie viermal eine Woche plus drei Städtetrips übers Jahr verteilten. Auf sechs Wochen haben wir es (noch) nicht gebracht, aber auch die drei Wochen Ameland waren schon ziemlich geil. Und noch geiler: Im kommenden Sommer haben wir wieder das gleiche, schöne, ruhige Mobilehome reserviert. Ich mag Inseln einfach. Immer bist du ganz schnell am Wasser, alles ist überschaubar, der Wind pustet dir ins Gesicht und um dich rum siehst du nichts als Weite. Das ist gleichzeitig klein und behaglich, aber auch groß und weit.

Ein wenig wurde auch in diesem Jahr weiter an mir rumtätowiert und ich glaube, das ist etwas, was sich in den nächsten zehn zwanzig Jahren nicht ändern wird. Es gibt halt Menschen, die haben ein Tattoo und gut ist. Und es gibt halt Menschen, die sind tätowiert. Das ist dann eher so ein dauerhafter Zustand der Veränderung. Nichts Finales, eher ein Prozess. Ich habe noch so viele Ideen, die reichen für fünf Arme, acht Beine und mindestens drei Rücken. In diesem Jahr war es aber nur ein wenig Verschönerung in einem vorhandenen Motiv:

2021 konnte ich gemeinsam mit der besten Ehefrau auch endlich wieder unsere lieben Freunde im Kloster Arenberg besuchen. Das fiel im Jahr zuvor coronabedingt komplett aus. Und das hat sich echt komisch angefühlt, all die lieben Menschen über einen so langen Zeitraum nicht zu sehen. Ich glaube seit 2010 waren wir immer mindestens einmal im Jahr dort, meistens zweimal hin und wieder auch noch häufiger. Da sind anderthalb Jahre „ohne“ schon eine ziemlich lange Zeit. Aber auch gut zu sehen: Die Menschen bleiben trotzdem da. Und mit ihnen die Zuneigung und Verbundenheit.

Ansonsten habe ich in diesem Jahr wieder zu wenig gelesen. Auch meine Vorsätze bezüglich Sport und der diffuse Wunsch nach Freundschaften standen in den vergangenen 12 Monaten eher hinten an. Ich schiebe es ein wenig auf die immer noch abfuckende pandemische Lage. Ich würde echt gerne wieder Aquafitness machen – oder es nochmal mit dem Fitti probieren. Aber ich habe keinen Bock auf Corona und kann mir momentan nicht vorstellen, in dem Schwimmbecken neben anderen Leuten rumzumachen. Abstand hin oder her. Gleiches gilt für das Fitnessstudio. Mag sein, dass ich diesbezüglich übervorsichtig bin, aber so ist es halt.

Was ich auch noch vermisst habe: Trödelmärkte, häufiger mal unbeschwert Essen zu gehen und die wenigen Menschen, die ich so richtig dolle mag, lange zu drücken.

Und jetzt zu den guten Vorsätzen. Natürlich erstmal das, was immer kommt: Mehr Bewegung, gesünder essen, weniger Rauchen, ein wenig Gewicht verlieren, etwas fitter werden. Geschenkt. Nehme ich mir vor, bin auch frohen Mutes, weiß aber auch, dass dies wahrscheinlich wieder nicht klappen wird. Dazu will ich aber im kommenden Jahr vor allen Dingen eines: Gnädiger mit mir selbst sein. Mich weniger kritisieren, mich mehr wertschätzen und loben, verständnisvoller sein. So, als wäre ich mein eigener lieber, alter, weiser und zugewandter Opa. Ich will ein paar geile Texte schreiben, ich will weniger Angst haben und offener durch die Welt gehen, neugieriger. Ich will Entdecker werden, Abenteuer erleben. Mir die Welt da draußen aneignen. Ich will spannende Menschen treffen und ihnen zuhören, ich will entspannter essen können und sagen können, was ich wirklich will. Ich will mich ein wenig sozial engagieren und Menschen helfen, die so dringend Hilfe nötig haben. Ich will weicher werden und menschlicher. Ach, ich will einfach ein bisschen besser leben als im letzten Jahr. Leichter, unbeschwerter, sicherer, ausgeglichener.

Jetzt habt ihr euch durch jede Menge Text gekämpft. Ihr seid tapfer. Und vielen Dank dafür. Was ist einer der schreibt ohne jene, die es lesen?

Kommt gut durch die Nacht, bleibt behütet, träumt kuschelweich und warm. Morgen ist Silvester. Und der Spuk 2021 endet bald.