Countdown zum Jahresende: 37

Nicht mehr lange und der fürchterliche November ist endlich vorbei. Das ist gut. Und schlecht, denn darauf folgt natürlich ein schrecklicher Dezember, ich denke, das sollte allen inzwischen klargeworden sein. Aber, wir werden auch diesen Monat rumbekommen und den Januar und den Februar und irgendwo in mir drin ist da wirklich noch die kleine Hoffnung, dass sich die Gesamtsituation im Frühjahr und Sommer dauerhaft verbessern wird.

Gestern fiel mir bedauerlicherweise auf, dass ich euch in meinen Podcast-Empfehlungen neulich, einen extrem tollen und wundervoll zu hörenden Podcast unterschlagen habe. Der kommt von der ZEIT und heißt „Alles gesagt“. Ungewöhnlich an diesem Format ist, dass es keine Zeitbeschränkungen gibt. Man unterhält sich mit interessanten Menschen so lange, wie sie es möchten. Und das kann dann auch schon einmal fünf, sechs oder sieben Stunden dauern. Das macht die Sache sehr intensiv, denn man lernt „berühmte“ Menschen noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Und im Idealfall ändert man seine Meinung, weil man diesem Menschen auf einmal ausführlich zugehört hat. Meine Highlightfolgen sind unter anderem die Casts mit Rezo und Juli Zeh. Aber auch die vorletzte Folge hat ich begeistert. Da war Nora Tschirner zu Gast und eigentlich fand ich sie immer ziemlich affektiert und drüber, weil sie halt auch gerne genau solche Rollen bedient hat. Das Gespräch mit ihr ist dann aber famos geworden. Solltet ihr mal reinhören. Geht gut im Auto oder so neben der Hausarbeit.

Ansonsten heute wieder recht viel gearbeitet und ganz schön was weggewuppt. Das war okay, aber auch anstrengend. Immerhin werde ich so ganz langsam etwas gnädiger zu mir selbst und bezichtige mich nicht täglich der Faulheit, wenn ich nicht alle Punkte meiner To-do-Liste abgearbeitet bekomme.

Immerhin: die Koalitionsparteien haben sich auf ein Programm geeinigt. Das ist doch schon einmal was. Natürlich werden sich wieder alle möglichen Leute beschweren, diejenigen, denen das alles mit dem Klima viel zu langsam geht und jene, die den drohenden Untergang das Abendlandes durch Drogenliberalisierung heranziehen sehen. Ich sage: Mal abwarten. Es klingt jetzt nicht alles total schlimm, was die sich da so ausgedacht haben. Vielleicht nicht der größte Wurf der Menschheitsgeschichte, aber auch kein Stillstand mehr wie unter der großen Koalition. Und die Neuen werden natürlich durch die Corona-Geschichte sofort unter Druck stehen. Das bleibt spannend. Aber auf jeden Fall würde ich schonmal sagen, dass die direkt die Coffee-Shops eröffnen können, der Lockdown im Winter wird lang und unlustig.

Und wieder ein kleiner Aufreger: Die Kultusministerin in NRW Frau Yvonne Gebauer, jene Verantwortliche, die vor drei Wochen, als sich bereits andeutete, dass die Infektionszahlen durch die Decke gehen würden, die Maskenpflicht in Schulen fallen ließ, bezeichnete Schulen in NRW als Hygienefilter. Echt! Kein Scheiß, hat sie so gesagt. Nur, um mal die Zahlen zu verdeutlichen: am 17. November, was ja auch schon wieder eine Woche und somit eine kleine Ewigkeit her ist, waren in NRW mehr als 10.000 SchülerInnen infiziert, mehr als 23.000 waren in Quarantäne. Muss ja ein mordsmäßig geiler Hygienefilter sein. Da muss man den Kindern wirklich nicht auch noch eine Maske aufzwingen! So ganz langsam werde ich mal richtig sauer! Es ist unverantwortlich und grenzt an eine Wirklichkeitsverdrehung, wie man sie eigentlich nur aus dem Zentralkomitee der SED kannte. Das ist Verarschung. Und gefährlich. Die Dame sollte muss schnellstmöglich abgelöst werden. Ud, wie schon so häufig in den vergangenen Monaten: Man fühlt sich hilflos. Wissenschaft, Eltern und Lehrer protestieren und warnen, aber nichts passiert. Noch ärgerlicher ist es, weil es inzwischen echt so erscheint, als wenn es nur noch um Parteipolitik geht und die Freien Liberalen in NRW irgendwie versuchen, wenigstens in einem ihrer Ressorts standhaft zu bleiben. Und wenn es Menschenleben kostet, egal, das regelt dann der Markt.

Der Wählermarkt wird es spätestens im kommenden Frühjahr entscheiden, wenn hier in NRW gewählt werden wird. Aber bis dahin müssen wohl noch viele, viele Menschen erkranken und sterben.

Vielleicht zum kommenden Wahlkampf mal die alten Buttons mit dem Slogan von 1969 rausholen: „FDP – Die treibende Kraft“. Kann man dann auf jedes Beatmungsgerät packen.

Kommt gut durch die Nacht und ärgert euch nicht so doll wie ich es immer tue.

Countdown zum Jahresende: 55

Heute Morgen zum Kaffee schon die erste Stressattacke beim Blick auf/beim Erstellen meiner To-do-Liste. So much to do. So viele Termine in der kommenden Woche. Da drehe ich schnell am Rad und werde … nun ja etwas dünnhäutiger in der Inhouse-Kommunikation. Aber die Ehefrau ist ja nicht umsonst die Beste und kann nachvollziehen, was dann so in meinem Kopf abgeht.

Im TV läuft heute Abend „Wetten dass“ und seit Tagen ist das Netz voll mit Vorfreude und Samstagabend-Verklärungsgedanken an die eigene Kindheit. Ich werde es nicht gucken. Nicht aus Protest oder weil ich partout bei solchen Hypes nicht mitmachen will, sondern einfach, weil ich zum Beispiel auch nicht auf Klassentreffen gehe. Manche Sachen sind Vergangenheit und sollen da auch bleiben. Sie in die Gegenwart zu transportieren, legt unterschiedliche Zeitebenen übereinander. Es gibt bestimmt Menschen, die durch diese verschiedenen Zeitschichten besonders klar auf ihr Leben blicken. So als hätten sie eine Brille mit Superkräften aufgesetzt. Bei mir passiert aber genau das Gegenteil. Alles verschwimmt, alles wird undeutlich und ich weiß überhaupt nicht mehr, wo oben oder unten ist. Deswegen: keine Klassentreffen, keine aufgewärmten Kontakte von vor 20 oder 30 Jahren, keine Revival-Partys. Das führt ja sowieso meist nur zu Enttäuschungen.

Dabei bin ich eigentlich ein sehr nostalgischer Mensch. Immer wieder denke ich sehnsuchtsvoll an die durchtanzten Nächte in nebeligen Kellerloch-Clubs im Kreise von schwarz gekleideten Outsidern. Denke ans Heimkommen im Morgengrauen, an Songs, die mir die Tränen in die Augen schießen ließen und an ein paar durchsoffene laue Sommernächte an Mittelmeerstränden. Aber ich will mich daran erinnern, ich will das alles nicht mehr jetzt in meinem Leben haben. Jetzt ist anders. Und morgen und übermorgen wird es wieder anders.

Was denkt ihr denn über Klassentreffen und die Vergangenheit? Sollte man sie ruhen lassen? Oder liebt ihr es, den Kontakt mit dem Früher nicht so ganz zu verlieren? Das interessiert mich brennend.

Am Nachmittag dann bei lieben Bekannten gewesen und ein wenig Brennholz abgeholt, was dort seit zwei Jahren für uns lagerte. Jetzt kann ich in den nächsten Tagen noch ein wenig Holz hacken. Das ist immer sehr anstrengend, aber irgendwie auch geil. Ein wenig wie Boxen. Müsste ich auch mal wieder machen. Der Boxsack hängt ja jetzt in der Garage. Aber davor liegt gerade das Brennholz. Ach, irgendwas ist immer.

Einen Aufreger gab es gestern auch noch. Es war – einmal mehr – NRWs Kultusministerin Gebauer, die mich ungläubig vor dem TV zurückließ. Im Landtag sagte sie allen Ernstes, dass Schulen durch die Maßnahmen der Landesregierung sowas wie Bremsscheiben für die Pandemie seien. Und dann schaut man sich die durch die Decke gehenden Inzidenzen in der entsprechenden Altersgruppe an und denkt sich, dass da irgendwas mit der Wahrnehmung der Ministerin nicht stimmen kann. Was schlimm wäre. Oder man ist inzwischen so abgestumpft und denkt sich, dass die Dame einem eiskalt ins Gesicht lügt. Was noch schlimmer wäre. So oder so – es ist fürchterlich, was für Fehlleistungen in der Politik inzwischen sanktionsfrei möglich sind.

Und sonst: Gestern in Ermangelung schöner Alternativen noch einmal mit The Crown angefangen. Ach, manchmal finde ich es sehr schade, dass es in diesem Land kein Königshaus mehr gibt, das man bejubeln könnte.

Habt einen schönen Samstagabend, egal was ihr so tut oder seht. Wir lesen uns morgen wieder.