Getting things done


Schon wieder eine Woche rum, seit meinem letzten Blogbeitrag. Und um es ehrlich zu sagen: Es gab schon scheißigere Wochen. Alles lief behäbig dahin, einiges ging mir sogar recht gut von der Hand und Dramen fanden keine statt. Normalität ist die Wollust der Langeweile, schrieb ich mal in einem Text. Und für die letzten Tage passt das also ganz gut. Das Schreiben klappte, im Garten ist der Apfelbaum beschnitten, vorvorgestern jagte ich vier Maschinen Wäsche durch und im Laufe der Woche gelang mir sogar noch die eine oder andere abendliche Walking-Runde, wobei mein Schienbein wieder anfängt zu zwicken. Sagte ich schon einmal, dass alt werden echt kacke ist? Also falls jemand Tipps und Tricks für extremultramega verkürzte Ischios / Hamstrings / Oberschenkelrückseiten hat, immer her damit.

Die Welt
Die Vereinigten Staaten haben einen neuen Präsidenten: super. Über den alten sollten wir auch gar nicht mehr viele Worte verlieren – das ist gut für die Seele. Selbstfürsorge sozusagen. Die Welt ist wieder ein Stückchen besser geworden, was will man mehr. Wer allerdings jetzt denkt, dass von nun an alles gut werden wird, ist ein Träumer. In den vergangenen Jahren sind so viele Wunden geschlagen worden, das wird nie wieder richtig heilen.

Corona dümpelt weiter auf sehr hohem Niveau vor sich hin. Das ist ziemlich schlecht und es wird wohl noch lange dauern, bis wir endlich alle durchgeimpft sind und wieder ein normales Leben führen können. Ach, es ist alles nicht so schön.

Die Medien
Nach ein paar Wochen Lockdown bringen die Medien zunehmend Stories, in denen Otto Normalverbraucher sich beklagen darf, dass ihm die Decke auf den Kopf fällt, dass er sich einsam oder isoliert fühlt, vom Leben abgeschnitten. Sorry, aber ich kann da nur bedingt mitfühlen. Das, was Otto Normalverbraucher da gerade fühlt, das – und bisweilen noch zigfach schlimmer – fühlen Menschen mit Angsterkrankungen, Depressionen oder anderen psychischen Belastungen Tag für Tag. Und da scheren sich die Medien auch nicht sonderlich drum. Das eine ist „Scheiße drauf sein“, das andere ist „Krankheit“. Der liebe Torsten Sträter, der mit den Mützen, mit dem ich noch zusammen im Dortmunder Subrosa am Tresen gestanden habe, hat den Unterschied mal sehr schön pointiert aufgezeigt:

„Scheiße drauf sein, ist wie ein Tatort mit den Muppets: nicht das Gelbe vom Ei, geht aber vorbei. Depressionen hingegen sind wie alle drei Teile ‚Herr der Ringe‘. In Zeitlupe. Mit Jean-Claude van Damme als Gandalf. Und Musik von Andrea Berg. Sie sehen den Unterschied.“

Die Bild
Begeistert hat mich in den vergangenen Tagen die Amazon-Doku Bild. Macht. Deutschland? Ich mochte ja noch nie diejenigen, die sich übertrieben negativ über die Bild echauffieren. Und damit meine ich jetzt nicht all jene, denen die Zeitung egal ist oder die sie einfach scheiße finden. Geschenkt. Man kann auch sagen, dass man Scooter scheiße findet oder Slayer oder Exploitation-Filme oder Groschenromane. Das ist völlig okay. Es ist sogar okay, wenn Sarah Bosetti kommentiert: „Wir müssen uns nicht fragen, ob sich in den Redaktionsräumen der Bildzeitung fast ausschließlich seelenfressende, gewissenlose, hämische, schlechte Menschen aufhalten.“ Oder wenn Max Goldt schreibt: „Die Bild-Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

Bosetti und Goldt dürfen das, denn es ist ihr Job, Sachverhalte zuzuspitzen. Wenn diese radikale Wortwahl und Haltung aber in den Alltag Einzug hält und von Menschen auf der Straße aufgenommen wird, dann habe ich ein Problem damit. Ich mag Pauschalisierungen nicht. Und schon gar nicht, wenn Menschen aufgrund ihres Jobs gesellschaftlich inakzeptabel sein sollen und schlecht und hämisch und seelenfressend. Zumal ich denke, dass die Leute, die bei der Bild arbeiten, richtig gut ihr Handwerk verstehen. Und so ziehe ich den Bogen wieder zu Scooter und Slayer und den Groschenromanen. Ein wenig ist die Bild nämlich genau so. Sehr laut, sehr präsent, sehr vereinfacht, oft drüber und too much, sehr erfolgreich, mit Titten, mit flachen Inhalten und plakativen Sprüchen. Kurz: Sie bedient ein Genre. Und innerhalb dieses Genres, ist sie sogar verdammt gut. Den Leuten, die dort arbeiten, ein Gewissen abzusprechen oder sie als schmierige Schreiber abzutun, die spalten wollen, ist falsch. Die Amazon-Doku rückt dieses Bild ein wenig gerade.

Und abschließend noch etwas. Natürlich ist dieses Blatt (viel) zu oft über Grenzen gegangen und bisweilen bestimmt auch bewusst. Das machen andere Medien aber auch (ich erinnere nur an den Kommentar in der taz bezüglich Polizisten und Müll und so). Und so prollig-asozial die Bild auch ist, ich würde mir wünschen, dass andere Medien ebenso klare Kante beziehen, wenn es um die Verständigung und Aussöhnung zwischen dem deutschen und dem israelischen Volk geht. Da ist nämlich der gesamte Springer-Verlag vorbildlich. Jeder, der dort arbeitet unterschreibt, dass er sich an einige Grundsätze sogenannte „Essentials“ halten wird. Und in diesen Essentials steht direkt an Punkt 2: „Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel.“ Eine klare Haltung, die es in dieser Form in anderen Medienhäusern nicht gibt. Wahrscheinlich müssten taz oder nd ihre Redaktionen halbieren, gäbe es dort diese Grundsätze.

Serien und TV-Tipps
Der Tatort „Das ist unser Haus“ in der vergangenen Woche aus Schtuddgard war verdammt großes Kino. So groß, dass ich ihn mir direkt am kommenden Tag noch einmal angesehen habe. Jeder zweite Satz war zitierfähig und -würdig. Kurz gesagt, geht es um eine Baugemeinschaft, um gewaltfreie Kommunikation, Cleansing und Stuhlkreise. Ah, und um ökologische Fundamentabdichtungen, die teuer und schlecht sind. Hallo Deutschland.

Und sonst?
Ach, ich weiß es doch auch nicht. Komische Zeit in meinem Kopf. Aber ich genieße gerade sehr die abendlichen 15, 20 Minuten auf meiner neuen Akupressurmatte. Und geschneit hat es heute Nacht, ziemlich dolle sogar. Hat für einen Schneemann im Garten gereicht.

Kommt gut in die neue Arbeitswoche, bleibt tapfer und zuversichtlich, der Frühling kommt. Irgendwann.