Geburtstage, Tod und wenig nur dazwischen

2018-11-28 20.52.07-4Normalerweise mag ich Jahresanfänge. Ich bin voller guter Vorsätze, habe ein wenig mehr Energie als sonst und ich mache viele Pläne, was im kommenden Jahr alles besser, erfolgreicher, gesünder, achtsamer und schöner werden soll. Das hält meist ein paar Tage an, wenn es gut läuft auch eine Woche. Und dann ist da ja auch schon mein Geburtstag. Der überfordert mich zwar meistens, weil ich mit Geschenken, Glückwünschen, Anrufen und Mails nicht wirklich gut umgehen kann, aber immerhin gehen die beste Frau und ich an solch einem Tag essen. Und essen gehen ist immer gut.

2019 war hingegen bisher vor allen Dingen: scheiße. In der vergangenen Woche mussten wir unseren fast 17 Jahre alten Kater einschlafen lassen. Ja, das war ein gesegnetes Alter und ja, es ist nur ein Haustier und ja, wir hatten tolle Zeiten zusammen, aber diese Sätze machen das Haus auch nicht lebendiger. Wenn dir mehr als 16 Jahre lang ständig ein Fellpuschel zwischen den Füßen rumschleicht, gerätst du ins Stolpern, wenn da auf einmal nichts mehr ist.

An meinem Geburtstag lebte der Kater noch. Aber an meinem Geburtstag deutete der Tierarzt bereits an, dass dies nicht mehr lange so sein würde. Geburtstagsgeschenk: Plattenepithelkarzinom. Drei Tage später war der Kater tot und mein 45. Geburtstag steht fortan ziemlich weit oben auf der Scheißtage-in-my-life-Liste. Essen waren wir dann übrigens auch nicht mehr.

Überhaupt: So sehr ich die ersten paar Tage des Jahres mag, die Zeit zwischen Ende Januar und dem gefühlten Frühlingsbeginn irgendwann Anfang März ist für mich immer wieder brutal hart. Sämtliche Energiereserven sind aufgebraucht. Da bin ich einigermaßen durch den trüben November gekommen, habe den Weihnachtswahnsinn überstanden und das Geschiebe in der Fußgängerzone, doch für einen kalten Februar ist keine Kraft mehr da. Alles schreit in mir nach Sonne, Wärme, Frühling. Aber die Welt scheint eingefroren. Ich bin kein Wintermensch, ich bin ein Sommermensch. Einer, der den Frühling vermisst. Und seinen Kater.

Neues Jahr und alte Lasten

„Winter will always return again!“
Anne Clark

Und dann ist der trübe und düstere November mit Allerheiligen und Totensonntag vorbei. Und der Dezember mit all den sensiblen Feiertagen und dem ganzen Trubel in den Innenstädten ist vorbei. Es ist Ende Januar, wenn deine Neujahrsvorsätze langsam der Wirklichkeit weichen und jede Zelle deines Körpers immer lauter nach Frühling, Wärme und Sonne schreit.
Ende Januar bist du brüchig. Fragil.
Eine Pergamentseele. Irgendwo hinter meterdickem Beton.
Du denkst an Schlafhygiene, während du am Nachmittag auf dem Sofa liegst.
Du denkst an Bewegung an der frischen Luft, während du aus dem Fenster die Welt anschaust.
Sich mal was Gutes tun, denkst du. Das große Glas Rotwein in der Hand.
Ende Januar kannst du Pläne machen und denken und träumen, aber mit jedem Schritt wiegt das Blei schwerer, das sich seit den letzten Sommertagen zwischen deinen Knochen sammelt.

Es ist so, als würde deine Kraft immer nur bis zum Jahresende reichen. Genau abgepasst. Du legst einen Endspurt hin, schleppst dich ins Ziel und siehst – nach Luft hechelnd –, dass der Rest der Welt schon im nächsten Rennen ist.

Wie die Menschen das machen, fragst du dich.
Warum du so langsam bist, fragst du dich.
Träumst dich als Läufer.
Und wartest.
Auf den Sommer.