Ein Corona-Rant, wieder einer

Und jetzt steigen die Zahlen wieder und der Herbst graut durch die Tage und der erhoffte Urlaub ist abgesagt.

Danke, danke, danke.
Ich scheiß auf euch.

Scheiß auf euch Relativierer, mit eurer An-der-Grippe-starben-25.000-Menschen-Argumentation.
Scheiß auf euch Zweifler und Leugner, mit eurer asozialen Verweigerungshaltung und eurer Unfähigkeit wissenschaftliche Fakten anzuerkennen.
Scheiß auf euch QAnon-, NWO- und Reichsbürger-Verschwörungswichser – ersauft von mir aus in einer Sintflut von Adrenochrom. Ihr denkt, ihr habt den Durchblick, aber ihr seid einfach nur Menschenfeinde – gefangen in einem albernen Labyrinth aus Lügen. Falschinformationen und Hass.
Scheiß auf die hormongesteuerten Kippen- und Eistee-teilenden Teenager, nicht in der Lage, mal einen halben Meter geradeaus zu denken.
Scheiß auf KultusministerInnen und MinisterpräsidentInnen, die ihr Fähnchen in den Wind von Beratern, Umfragen und Lobbyverbänden hängen. Und der Wind dreht beständig.
Scheiß auf Hildmann, Wendler, Naidoo, die mit ihren psychotischen Äußerungen besser bei Therapeuten als bei Telegram aufgehoben wären.
Scheiß auf euch Querdenker, mit euren Mems auf Facebook, Twitter, Instagram. Ihr seid narzisstische Querulanten.
Scheiß auf die MDMA-schmeißenden Partypeople in Berlin, die ihren Hedonismus in den Parks abfeiern.
Scheiß auf die Ballermänner in der Schinkenstraße, in Sölden, auf Ibiza.
Scheiß auf euch Alt-68er, nach eurem langen Marsch durch die Institutionen sitzt ihr in euren Altbauwohnungen und wollt euch nicht weiter einmischen, weil ihr doch damals für Freiheit gekämpft habt und jede staatliche Maßnahme prinzipiell immer skeptisch-kritisch hinterfragt werden muss.
Scheiß auf euch urlaubsgeilen Kosmopoliten. Paris? Shanghai? Melbourne? Egal, immer unterwegs, immer was sehen – als würdet ihr in der Heimat sterben.
Scheiß auf all die Prosecco-trinkenden Uschis und Tinas und Sabines, die die Regeln ja eigentlich total wichtig finden, sich aber ausnahmsweise heute mal nicht dran halten.
Scheiß auf Fußballbundesligisten, die auch jetzt noch denken, dass 5.000 Menschen in einem Stadion okay sind.
Scheiß auf Eltern von Schneeflöckchen, die eine Mund-Nasen-Maske als Kindesmisshandlung bezeichnen und ihr Kind durch solch eine Maske traumatisiert sehen! Fuck you! Wisst ihr was Kindesmisshandlung ist? Wisst ihr was Trauma ist? Ich weiß es.
Scheiß auf Bezirksbürgermeister, die ihre überforderten Verwaltungen lieber weiter auf 110% fahren lassen, als sich von den Militaristen der Bundeswehr helfen zu lassen.
Scheiß auf Hochzeitsfeiern mit hunderten von Gästen.
Scheiß auf charismatische, evangelikale, orthodoxe oder sonst-was-Freikirchen, die Halleluja-singend, die Luft mit ihren Aerosolen aufladen. Ja, der heilige Geist kommt so bestimmt über euch.
Scheiß auf esoterische Heilpraktiker und scheiß auf durchgeknallte Anthros. Das hier ist nicht die Rache von Mutter Natur, das hier ist kein Reinigungsprozess. Das ist einfach eine beschissene Pandemie. Eine Pandemie, die durch euch befeuert wird. Durch jeden von euch.

Jeder von euch hat seinen Tropfen dazu beigetragen, dass jetzt das Fass überläuft.
Jeder von euch hat seinen Teil dazu beigetragen, dass jetzt wieder mehr Menschen krank werden, mehr Menschen sterben, mehr Menschen isoliert werden, mehr Menschen um ihre Existenz fürchten müssen, mehr Menschen mehr Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.

Ich bin einer dieser Menschen. Der Herbst graut durch die Tage und ich scheiße auf euch.

Texte von früher: Hallo Gesellschaft

Da ich mit meinem nächsten Blogbeitrag etwas hänge, habe ich noch einmal den Ordner mit den alten Texten durchstöbert und euch eine weitere Perle meines Frühwerks herausgefischt. Heute würde ich ihn so nicht mehr schreiben, etwas subtiler wäre ich. Trotzdem mag ich dieses rausgerotzte, wütende Stück (Selbst-)Hass immer noch. Diese Zeilen zu lesen, ist für mich wie ein Blick in die wilden Jahre des frühen Erwachsenenalters. War nicht alles geil. Aber immer intensiv. Und ganz ironiefrei (im Gegensatz zu den oben genannten „Perlen meines Frühwerks“): Für den Satz Normalität ist die Wollust der Langeweile feiere ich mich noch heute.

Hallo Gesellschaft hier bin ich
Gezeugt in einer Frühlingsnacht Neunzehndreiundsiebzig
Wohl eher aus Langeweile denn aus Wollust

Nie im Kindergarten gewesen
Erste Kontaktaufnahme mit Artgenossen in der Grundschule
Fehlgeschlagen

Gehänselt gekränkt erniedrigt

Mich zu dem gemacht was ich jetzt bin
Doppelpunkt
Zynisch
Ausrufezeichen

Nicht der Finger in der Wunde
Auch nicht der erhobene Zeigefinger
Sondern die Faust im Gesicht
Die Pranke die Wunden reißt

Begeistert von Tabu
Und Abartigkeit
Hoher Wiedererkennungswert in Ekel
Und Perversion

Normalität ist die Wollust der Langeweile

Unverständnis über den Lauf der Welt
Oder ihrer Bewohner
Bin nicht normal
Aber meine Norm
Und mein Maßstab
Und wenn ich also der minimal zu erreichende Standard bin
Großer Gott
Was ist dann mit all den Menschen

Unnormalität wird zur Definitionssache
Für das Karzinom
Ist der menschliche Körper
Auch nicht zu verstehen
Und bestenfalls
Brötchengeber

Ich bin der Karzinomkörper
Verwuchert
Verwachsen
Durch die göttliche Qualitätssicherung gefallen
Und trotzdem ins Spiel gebracht worden
Vielleicht als Joker
Wahrscheinlich als Niete
Vom Umtausch ausgeschlossen
Und ausgeschlossen von Allem
Und trotz allem sag ich

Hallo Gesellschaft hier bin ich