Warum die Kritiker des Tanzverbots Spießer sind

Inzwischen ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: Zweimal im Jahr wird – insbesondere in der Onlinewelt – eine Diskussion aufgefrischt, die mich in ihrer Belanglosigkeit unglaublich nervt. Pünktlich zu Karfreitag (und im Herbst noch einmal zu Allerheiligen) kommen die Kritiker des Tanzverbots auf die Bühne und mahnen die Tatsache an, dass an diesen beiden stillen Feiertagen Diskotheken geschlossen bleiben müssen. Als wäre es ein verbrieftes Menschenrecht, an 365 Zagen im Jahr in die Disko gehen zu dürfen. Und es ist ja auch so einfach und mainstreamig über die Kirche zu schimpfen. Geldverschwendung, Kindesmissbrauch, Zölibat, Homophobie – alles superschlimm, keine Frage, ja. Und dann wollen die einem auch noch das Tanzen verbieten.

Ernsthaft Leute?

Ich empfinde diese Haltung als so kleinkariert, spießig, irrelevant und als einen prima Beispiel dafür, dass Toleranz und Intoleranz häufig ganz dicht beieinander liegen.
Worum geht es denn? Es geht darum, dass an zwei Tagen im Jahr der Gesetzgeber gewisse laut-lustige Musikveranstaltungen unterbindet. Aus religiösen Gründen, aus traditionellen Gründen, aus Respekt und Anstand.
Natürlich kann man argumentieren, dass Staat und Religion gefälligst getrennt gehören, aber das sind sie nunmal traditionell nicht so ganz. Sie sind auch ein Stück Kulturgut: Fronleichnamsprozessionen, das Gedränge auf den Friedhöfen zu Allerheiligen, Weihnachten und Ostern sowieso.
jesus-255138_1920Insbesondere der Karfreitag steht ja für etwas – ob historisch belegt oder nur metaphorisch. Er steht für Folter, Terror, Leiden und Tod. Da darf man auch schonmal etwas ruhiger werden, sich besinnen und vielleicht in der heutigen Zeit mehr denn je.

Für mich ist es eine Art von Deal: Karfreitag ist ein gesetzlicher Feiertag. Als „normaler“ Arbeitnehmer muss ich also nicht ins Büro, sondern darf daheim bleiben und kann es mir auf dem Sofa bequem machen. Übrigens sind ja die meisten der – arbeitsfreien – Feiertage in Deutschland religiös verankert: Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Fronleichnam, usw. Und obwohl nur 60% der Bevölkerung in diesem Land noch Christen sind, nimmt natürlich jeder gerne die arbeitsfreien Tage mit. Mit dem einen oder anderen Brückentag kann man sich so schön eine kleine Auszeit gönnen. Dass ich dafür an Karfreitag nicht selbstverwirklichend auf der Tanzfläche abhotten kann ist der Preis, den ich dafür zahlen muss.

Ich empfinde die Kritik am Tanzverbot als spießig, als trotziges Ichwillaber, als Hedonismus. Letztendlich als ein Überbleibsel der 68er-Generation. Alles muss immer hinterfragt und kritisiert werden. Jede Regel, jedes Gesetz, jede Autorität wird erst einmal abgelehnt, insbesondere, wenn die Pläne des Einzelnen dadurch beeinflusst werden. Genau das führt dann aber zum allgemeinen und inzwischen von vielen Seiten angeprangerten Werte- und Respektverlusts. Jeder Lehrer, jeder Arzt, jeder Feuerwehrmann, jeder Polizist wird Situationen aus dem eigenen Berufsalltag kennen, in denen immer alles diskutiert werden muss. Situationen, in denen Regeln eben nicht befolgt werden.

Warum ist es so wichtig am Karfreitag in die Disko zu müssen? Warum gönnen die Tanzverbotskritiker nicht einfach jenen, denen es durchaus wichtig ist, diese Zeit der Stille, der Besinnung, der Trauer? Und warum können sie nicht einfach an diesem Tag ihre ganz individuellen Wünsche zurückstecken und tolerant sein? Welcher Zacken soll da denn bitteschön aus der Krone brechen?

Manchmal verstehe ich die Menschen einfach nicht.

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5 Gedanken zu “Warum die Kritiker des Tanzverbots Spießer sind

  1. Naja schonmal an solchen Tagen Single gewesen, ohne Familie drumherum? Wenn dann alles geschlossen hat, geht irgendwie auch kaum einer raus. Als Single kann das Hölle sein.
    Andersherum, was geht es denn die Religiösen an wie ich den Tag verbringe? Ist doch auch intoleranz gegenüber der anderen Lebensweise. Ja ich muss keine Technoparty vor der Kirche machen, aber im Partyviertel hab ich auch noch kein Gotteshaus gesehen.
    Vielleicht würde ich ja sogar lieber an den Tagen arbeiten gehen und dafür Abends schön die Sau rauslassen. Und warum tolerieren wir dann nicht auch die islamischen Feiertage oder beliebiger anderer Religionen?
    Ja evtl. ist es schmerzhaft halt weniger Feiertage zu haben oder aber man wandelt sie einfach um. Ein Toleranztag oder ein Menschenrechtstag wäre doch schön.
    Im großen und ganzen würde mir z.b. eine Weihnachtszeit (aber halt wegen der allgemeinen Ruhe die einkehrt) und Neujahr völlig reichen. Für den Rest habe ich Urlaub 🙂

  2. Nein ich bin kein Spießer wenn ich für die Trennung von Kirche und Staat bin… Ich will das was ich anderen Staaten vorwerfe auch bei meinem Staat haben… Ich will ein FREIHEITSDENKEN und denke LIBERTÄR und das ist sowas was in etwa genau das gegenteilige zum bürgerlichen staatstreuen Spießertum ist…:

    „Es wird Zeit dass wir auch bei uns Staat und Religion komplett trennen; Ruhetag kann ich ja noch verstehen über Ostern aber Vorschriften, Gebote und Verbote sind einfach nich mehr Zeitgemäß…Es wird sich aber wohl auch in 10 Jahren da nix ändern?“

  3. Hedonistisch ist es eben nicht, das verbissene Anrennen gegen die Rücksichtnahme. Tanzen, um etwas zu beweisen oder einzufordern – das wirkt auf mich verkrampft, eine verbissen-angestrengte Pseudofröhlichkeit. Spießig – ja, das passt eher.

  4. Würde es uns als Christen, gerade in der aktuellen Zeit nicht gut zu Gesicht stehen, mehr Toleranz zu pflegen. Ja ich finde es gut, dass es einige christliche Feiertage in unserem Land gibt, damit ich die Möglichkeit habe, frei vom Arbeitsdruck der Ausübung meines Glaubens nachzugehen. Aber muss ich mich dafür einsetzen, dass alle gleichgeschaltet werden, indem wir Ihnen ihre Freiheit einschränken ihrer Bedürfnissen nachzugehen. Es hindert mich nichts und niemand die Feiertage still und besinnlich zu verbringen. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber warum, um Gotteswillen, muss ich dies allen anderen überstülpen. Wäre ein besinnlicher, arbeitsfreier Feiertag für das Seelenheit eines jeglichen so elementar wichtig, dann würde ein jeder ganz von selbst sich so verhalten wie Sektierer es fordern. Tatsache ist aber, dass sich wohl die Mehrheit unserer Mitbürgern von solch restriktiven Vorschriften wie einem Tanzverbit an bestimmten Tagen gegängelt fühlen. Als Werbung für unsere christliche Überzeugung werden sie es sicherlich nicht wahrnehmen. Ich vermisse gerade unter uns Christen häufig den Respekt und die Tolleranz gegenüber anderen Überzeugungen. Keiner von uns ist im Besitz der Wahrheit. Es hat nur ein jeder seine Wahrheit. Ich habe meine in der Nachfolge Jesus Christus gefunden und gerade darum habe ich die Pflicht und Verantwortung anderen die Freiheit ihrer Gedanken und Überzeugungen zu geben und dies zu schützen.
    In diese Sinne allen ein fröhliches und gesegnetes Osterfest.

  5. Toleranz muss derjenige aufbringen, der anderen etwas abfordert, In diesem Fall sind es klar die Christen, die Nicht-Christen vorschreiben wollen,w as sie zu tun und zu lassen haben, Daher sind die Gegner dieser Forderung mitnichten intolerant. Denen ist ja schnurz, ob ihr trauert, Die Christen sind dei Intoleranten, da sie darauf bestehen, dass JEDER – völlig egal ob er etwas damit verbindet oder nicht – in die erzwungene Trauer verfällt. Aber das ist mal wieder typisch für Religiöse. Einfach mal die Tatsachen verdrehen und sich selbst zum Opfer erklären, obwohl man selbst die Scheiße anrührt.

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